12/01/2007



the fitting room




gemeinsam sind wir kariert und kokett. ein zartes flanellhemd über den starken schultern von mädchen durchbricht durch die sprache des karierten kleidungsstücks die zwänge des von mediengesellschaften diktierten frauenbilds. denn auf den ersten blick ist es das hemd zu groß, zu billig, zu hässlich und das letzte, womit eine frau von welt vor den spiegel tritt. in den berliner clubs kleidet es eine beachtliche menge der weiblichen nachtschwärmer, die es mit absätzen, lippenstift, oder den jeans ihrer besten freunde kombinieren. die mit kleinen quadraten bedruckte mode ist nur einer der trends der vergangenen und kommenden monate, und lediglich ein indikator von vielen dafür, dass die tägliche entscheidungsfindung vor dem kleiderschrank kein expressiver akt sein muss, und vielfach nicht ist. ob die karierten mädchen der nacht am nächsten morgen im sommerkleid, in schwarz oder ungekämmt das haus verlassen, werden sie dir nicht verraten, und dies ebenso so wenig über sie selbst.



flannel apparel begibt sich abseits von mode und äußerem schein auf entdeckungsreise in die themenfelder, die frauen tatsächlich interessieren und faszinieren, denn ein kurzer blick ins zeitschriftenregal am kiosk und in das angebot des deutschen fernsehens lässt nur einen schluss zu: von den themen, die verlage und sender im einklang mit ihren werbekunden für uns selektieren, werden wir nicht satt. repetitiv versucht die überzahl so genannter frauenmedien uns mit tipps und trends zu sättigen, die nicht mundgerecht, sondern ungenießbar sind. entgegen der meinung aus manchen feministischen ecken kann ich dies nicht als unterdrückungsstrategie des männlichen lagers werten. der glaube das mode, schönheit und ein magerer körper die eckpunkte des lebens einer frau sein sollten, wird von frauen untereinander weitergegeben, unter dem vorgeschobenen argument, dies gefalle männern.
doch wer hat uns eigentlich gelehrt, dass männer so sind? unsere mutter, unsere freundin, oder die stereotypen unholde der vorabendserien? mein freund, mein vater, mein bruder und selbst der frauenheld von nebenan, würden frauenzeitschriften wohl am liebsten für alle ewigkeit ins altpapier verbannen. denn all die männer, die zu meinen gesprächspartnern geworden sind, als frauen, die sich für mehr als die von medien für sie vorgesehenen bereiche begeistern, in meinem umfeld rar gesäht waren, bedauern das konstrukt weiblicher lebenswelt zutiefst. warum single sein, wenn zu viele frauen zu schön sind? achten männer tatsächlich auf mehr?
fakt ist, frauen lassen sich im gleichen maße sexismus zu schulde kommen, verfallen sie dem glauben, männer würden sich maßgeblich aufgrund ihres aussehens in sie verlieben. wer dieser these zustimmt und die wahl trifft, in kosmetik, anstatt in herz und verstand zu investieren, findet vermutlich auch sein passendes gegenstück.
ein neuer feminismus bedeutet nicht männer zu bekämpfen, quoten einzufordern und mit härte und biss, mit männlichen charme und karrieremuster ihre positionen zu übernehmen, sondern mit offnen augen und weiblichem werkzeug in die vermeintlich männlich beherrschten arenen zu marschieren, um festzustellen, dass die jungs nie allein unter sich sein wollten - sie haben nur schon einmal angefangen zu spielen. und spiele werden erst mit ebenbürtigen gegnern spannend. aber vorsicht, sexyness zählt! denn nichts ist so sexy wie ein starker, kluger kopf.

selbst wenn du nun deine garderobe nicht mit einem karierten flanellhemd ergänzen möchtest, kommt es in deinem besitz wenigstens den jungs entgegen. erfahrungsgemäß friert ein mann in deinem t-shirt am frühstückstisch so sehr, dass du die außenpolitische lage mit der kaffeemaschine diskutieren musst.



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