das verständnis von girl power, das in den 90er jahren an vorderster front von den spice girls propagiert wurde, fuhr die in dem begriff verborgene idee schon damals vor die wand. emanzipiert, clever und nachhaltig erfolgreich waren emma, victoria, geri, melanie und melanie nicht, von glücklich ganz zu schweigen. heute tourt die um jahre gealterte, um einige kinder und neurosen reichere und von posh zum plastic spice mutierte mütterband im rahmen einer post-birth-crisis die welt, um ein letztes mal zu heucheln, den begriff girl power für die geschichtsbücher besetzt zu haben.

mädchen mit macht leben nicht einer einer welt aus pinkem plüsch, in der es anorektika zum frühstück, botox am wochenende und playback auf der bühne gibt. jede neunjährige würde bei dem gedanken, später einmal so schandhafte brüste wie victoria beckham ihr eigen zu nennen und die aktuellen bühnenoutfits der tanztruppe tragen zu müssen, in bitterliche tränen ausbrechen. doch weibliche role models, die das auf scheckengeschwindigkeit ausgebremste tempo der emanzipationsbewegung auf einen weg bringen, der mädchen in politik, wirtschaft und gesellschaft auf augenhöhe des anderen geschlechts verankern soll, ohne dass sie feminismus als kampfansage gegen männer verstehen, kinder als bedrohung des glücks einstufen oder zu weiblichkeitsfeindlichen hardlinern werden, sind nicht einfach aufzuspüren; im musikgeschäft sind sie die nadeln des heuhafens.

die mädchen der aktuellen pop-biz-generation haben sich gleich dazu entschieden, keinen feldzug für die anerkennung ihres geschlechts zu führen: die welt ist rosa, wir sind pink und mein bester freund ist ein chihuahua. mediale präsenz und akzeptanz inszenieren wir durch kräftiges pudern unserer korrigierten nasen, wir wählen pubertätsalkoholismus statt abitur und ein sextape macht uns mündig.

für den erfolg bei der masse sind talent und charisma nachrangig. amy winehouse trat zwar zunächst mit einer stimme in den ring, an deren allmächtige präsenz kein chor aus allen derzeitigen girlbands herankäme, doch erst als schatten ihrer selbst wurde sie mit grammys überschüttet. die töne, die sie im aufwind ihrer karriere aus ihrem eingefallenen brustkorb presst und ihre schwindende gestalt stehen heute in keiner beziehung zu dem phänomen, dass vor einigen monaten in jedem ersten satz als souldiva tituliert wurde.

die aufmerksamkeit der presse die nicht an amys exzesse verschwendet wird, fallen auf frauen, die noch nicht einmal musikalisches oder schauspielerisches talent anzubieten haben. lindsay lohan, paris hilton, sienna miller, kate bosworth und nicole richie kamen nur zu reichtum und bekanntheit, da frauen, die nichts zu bieten haben außer vorübergehende essstörungen, blondes haar und designerkleidung, wunderbar in die ebenso inhaltsleeren modemagazine eingebunden werden können und als werbeträger für jegliches produkt geeignet sind, da sie selbst keine botschaft haben.

wunderbar sichtbar wird in diesem kontext auch, wie eindimensional politiker im namen des schutzes der weiblichen jugend agieren. fast könnte man es als einen fall von sexismus unter frauen bezeichnen, dass die oberen beamtinnen des bundes am meisten um unsere körper besorgt sind. damen aller fraktionen melden sich vehement bestürzt zu wort, sobald in mailand magere schönheiten über den laufsteg wandeln und das privatfernsehen diese nun auch castet; dass sie pro ana websites und die allgegenwärtigkeit koksenden sternchen in gossip-blogs nicht kennen, kann man den beamtinnen in berlin dabei nicht unterstellen. lassen wir sie lieber netzfremd bleiben, bevor sie auf die idee kommen dort jugendliche lebenswelt zu beschneiden.

die abbildung unterernährter körper und die selbstverständlichkeit über den drogenkonsum von künstlern zu berichten sollte den ministerinnen dennoch weniger sorgen bereiten. zu behaupten, die sucht zu hungern und der durst auf rausch würde hauptsächlich von medien und mode ausgelöst, ist so verkümmertes psychologisches wissen wie die zeitschrift emotion für ihre leserinnen bereithält. politikerinnen, die sich der frauen- und gleichstellungspolitik verpflichtet fühlen, sollten sich eher fragen, warum sie tag für tag an plakatwänden vorbeifahren, auf denen großkonzerne mit den seelenlosen körpern so heller geister wie paris hilton, gülcan karahanci oder heidi klum werben.
deutschland fürchtet die pisa-studie, möchte frauen in vorständen und ingeneurberufen, und sieht dabei zu, wie die prallen werbeetats eine welt kreiren, in der frauen nicht nur ein ergebnis von retusche sind, sondern rosa, süß und immer ohne hirn. ob charlotte roche entschieden hat, ihr buch feuchtbiete in einen pinken einband zu geben, oder das marketing des verlags, da ein feministisches buch trotz allem frauengerecht gefärbt sein muss?
der holtzbrinck-verlag kaufte kürzlich anteile einer webcommunity für frauen: die erdbeerlounge. nicht nur sieht die seite so ekelhaft verzuckert aus wie industriell hergestellte marmelade schmeckt, sie bietet folgende themen: mode & trends, beauty & wellness, liebe & leidenschaft und stars & entertainment.

welche frau soll davon satt werden? sollte es nun verwundern, wenn wir essen verweigern, wenn wir kotzen – vor lauter langeweile, vor lauter zuckerguß, der unseren verstand verkleistern soll?

hat die musikhungrige neunjährige, die vor den lebenden plastic girls erschrak, vor dem cd-regal im kaufhaus überhaupt eine wahl, wenn das sortiment dort monrose, mariah carey, jeanette biedermann und all ihre abziehbildchen anbietet? und selbst dem mädchen ein album außerhalb des rosanen coversprektrums zu schenken, wird unschön enden. amy winehouse ist mitnichten ein mädchen des zuckerpops, doch wenn wir uns daran erinnern, welche welten für fans zusammenbrechen, trennt sich ihre liebste boyband, ist es für ein harmonisches familienleben sicherlich ratsam, der kleinen schwester keine cd einer künstlerin zu schenken, deren drogentod man in einem halben jahr kindgerecht in worte fassen muss.
aber müssen wir ihr nur erklären, junge frauen machten keine musik?

das vereinigte königreich hat sich dieses problems angenommen ein entzückendes damen-duo hervorgezaubert, deren künstlerisches produkt jeden geschenketisch aufwertet: peggy sue and the pirates – womit wir zum musikalischen anlass dieses textes kommen. rosa rex' und katy klaws gemeinsamkeit war vor gründung von peggy sue and the pirates ihre sammelleidenschaft für regina spektor bootlegs, und vergleiche mit der schönheit der stimme der russin, mit feist oder cat power können ohne furcht vor schwächerem abschneiden herangezogen werden. bibabidi führt zudem einen vergleich mit den moldy peaches und billie holiday ins bild.



ihre klaren vorteile sind das auftreten im doppelpack, lediglich bestückt mit der gitarre "stud", das fehlen der divenhaften unnahbarkeit der eben besprochenen künstlerinnen und die aus ihren augen sprühende, mädchenhafte herzlichkeit, die sie mit ihrer tourpartnerin kate nash teilen. girl power – da von kraftlosen frauen besetzt - ist als attribut für katy und rosa die gänzlich unpassende wortwahl; so bleibt die unbenannte eigenschaft ein konstrukt aus hochverdichteter weiblichkeit, talent, charme und scharfsinnigkeit.

das aus brighton stammende zweigespann spielt seine akkustikgitarre zu klugen, methapernreichen lyrics, und der text zu superman erzählt nicht nur die leidensgeschichte des superhelden aus einer völlig neuen perspektive, sondern kann auch als wunderbare persiflage auf das wesen der klassischen girlbands interpretiert werden. katy und rosa müssen sich selbst im geblümten kleid keine gedanken machen über das recht, das clark kent stellvertretend für die plastikpuppen des pops fordert:

"all i really want is to have the right to wear my pants underneath my tights!"

peggy sue and the pirates - the new song



wer für die sommermonate keinen kurztrip auf die insel plant um sich in dessen rahmen mit einem live-gig von peggy sue and the pirates zu beschenken, kann ihre single "the new song" hier als stream anhören; einen shot of tuacca gibt es hier für euch dazu.


peggy sue and the pirates - a shot of tuacca



mehr für die ohren (spare parts!) und augen findet ihr auf myspace und bald auch auf der website. und sorgt euch nicht um die zukunft der smarten mädchen im pop, es gibt sie – bloß wer der presse nicht mehr bietet, als gute musik, muss auf berichterstattung verzichten. doch im gegenzug darf das layout der website aber auf pastellfarben verzichten und die hosen bleiben an!

Labels: , , , , , , , , ,

0 Comments:
Links to this post:
Link erstellen