here's the plan:
we want to heal the world, to make it a better place
for you and your friends, all together.
might sound cheesy but, always remember:

who's there for you when you're cold and alone?
the teenagers, the teenagers.


allein fühle ich mich zwar nicht, denn endlich schließe ich in glasgow den mann in die arme, dem ich bislang am bittersten hinterhergeweint habe, doch was daniel und ich uns tatsächlich vom konzertbesuch der teenagers erhoffen, ist unsere zu eis erstarrten körper wieder auf eine temperatur zu bringen, die einen entspannten gesichtsausdruck erlaubt. auf dem kurzen fußweg von der buchanan street zur dunklen seitenstraße, in der das stereo das konzert des londoner pop-trios beherbergen wird, ist unsere ausgehstimmung zu einer innigen sehnsucht nach wärmflaschen und heißer schokolade umgeschwungen. die schottische jugend ist im gegensatz zu uns mimosen vom festland schon im sommer angekommen: bierfidele mädchen balancieren ihre strumpfhosenlosen, wohlgenährten körper auf den schmalen absätzen silberner sandaletten. für einen moment denke ich, ich sei auf der oranienburgerstraße.

die orangegebräunten exemplare der glasgow-kids sind im clubraum des stereo allerdings nicht wiederzuentdecken; hier hat jemand ein abziehbild des rio's installiert. nicht nur die steintreppen auf dem weg in den kellerraum und das licht erinnern an den club in der chaussestraße, auch das publikum unterscheidet sich optisch kaum von den berliner nu rave-nachtgestalten. das vor wenigen wochen eröffnete american apparel hat fleissig laméhaarbänder and die kundschaft gebracht; karos hier, leggins dort. so fashionable wie das publikum präsentiert sich dann auch die vorband fangs, die mit ihrer typisch rotzigen electro punk-attitüde zumindest zu soviel bewegung anregen, dass wir unsere mäntel nicht mehr brauchen.

so cool, nonchalant und schrill wie die mascarabekleisterten bandmitglieder von fangs betreten die londoner sweethearts von den teenagern die bühne nicht. vielleicht muss nicht nur ihr selbstbewusstsein ein wenig auftauen, denn schließlich saß quentin noch kurz vor beginn des gigs in seiner winterjacke im cafébereich des stereo. die schottischen frühlingstemperaturen hatten sich die jungs vermutlich auch anders vorgestellt.
dorian lächelt verlegen, quentin grinst und michael steht schon jetzt die anspannung ins gesicht geschrieben, die er später in hochkonzentrierte arbeit am bass umsetzen wird. da stehen sie, die drei: das kindchenschema des pop. aus vier meter entfernung bleibt von dem flegelhaften image, dass die frechen lyrics und der starke französische akzent der band kreirt haben, wenig übrig. man möchte sie vor ihrem auftritt kurz in den arm nehmen, übers haar streichen und einen mütterlichen ratschlag mit auf den weg vor die fans geben. auf welche weise auch immer dorian sein "i love fall out boy"-shirt ergattert hat, so unbedarft und unbeweglich wie er auf der bühne verharrt, verfehlt dieses statement seine ironische absicht; pete wentz wirkt gegen den verschreckten bassisten der franzosen nahezu wie eine testosteronbombe.



für quentin ist es nun relativ einfach, die rolle des frontmans auszufüllen und alle aufmerksamkeit auf seine tanzeinlagen zu richten. doch er wird den erwartungen gerecht: für die realen teenager bietet der sänger der band die projektionsfläche für die mädchenträume ihrer pubertierender seelen. dunkle knopfaugen, ein unablässig verschmitztes lächeln sowie ein körper, der zweifellos die skinny leg policy erfüllt, an der vince noir in der mighty boosh folge the chokes scheiterte, machen quentin zu deinem every-day-indie-frontman, der zweifellos im internen wettstreit immer die meisten herzen gewinnt. quentin delafons lausbubencharme gepaart mit der verletzlichen ausstrahlung von dorian und michael und dem altbekannten trick, mit extrastarken französischen akzent zu becircen, lässt die weiblichen fans der vorderenen reihen an eine erste liebe glauben, die mehr romatik bietet als die problemorientierten zusammentreffen von männlein und weiblein, die in homecoming, sunset beach oder love no geschildert werden.
doch auch für die andere hälfte des konzertpublikums halten the teenagers etwas auf der bühne bereit: rebecca und antonia. allein als eye candy sind die beiden nicht dabei, auch wenn die mädels durchaus dieses prädikat verdienen – an der gitarre und am schlagzeug tragen die zwei schon seit der us-tour dazu bei, dass the teenagers die qualität ihrer live-shows aufstocken können, waren erste konzertkritiken doch vornehmlich vernichtender natur.

vom niveau einer schülerband haben sich michael, dorian und quentin mittlerweile emanzipiert und sollten nach dieser uk-tour auf dem level einer indie-band angekommen sein, die ihre ersten musikalischen schritte ambitioniert im proberaum und nicht mit laptop unter dem weihnachtsbaum unternommen hat. das punktgenaue treffen jedes tons kann man jedoch getrost den gedrillten orchestern und chören britischer privatschulen überlassen -ein fehlerloses, hochprofessionelles zusammenspiel würde den bandnamen ad absurdum führen. ihr anliegen abseits von musikalischer genialität legen the teenagers in all ihren texten dar: es geht ihnen um unbeschwertheit, junge liebe und eine bessere welt.



und ein bisschen von all dem geben sie auch ans publikum zurück. zwar wirkt die band bereits überfordert, als quentin bei der ersten performance von 'homecoming' vier mädchen auf die bühne bittet, damit sie den weiblichen part singen, die jungs lassen es sich aber trotzdem nicht nehmen 'homecoming' bei der zugabe abermals zu spielen und die bühne für alle fans zu öffnen. für drei minuten kann man die band aus london weder hören noch sehen - seelig verlassen aber sowohl die schottischen, als auch die französischen teenager die bühne.

aber wo bleiben die küsse? skandalös dürfte man es fast nennen, den besten song des debutalbums zu unterschlagen. wer 'french kiss' hören will muss für diesen abend und für die nahe zukunft auf track neun von 'reality check' zurückgreifen, denn die neue single wird das eingangs zitierte 'feeling better'.

doch auch ohne die musikalischen küsse der franzosen hüpft das herz, uns ist wieder warm und die klamotten sind rauchfrei. was gibt es zu soviel glück & zufriedenheit noch hinzuzufügen? den wunderbaren metronomy remix von goldfrapps 'happiness'? das weltbeste interview mit den teens von hipsterrunoff? you bet.


goldfrapp - happiness (metronomy remix feat. the teenagers) (dl) (ysi)



danke an jenny aus glasgow für die fotos.

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