alice schwarzer zeigt der der fußball-europameisterschaft vermutlich die kalte schulter, da der fahle beigeschmack von zugereisten prostituierten, bierfahnen und der faszination an herben, schwitzenden männern für sie das wesen dieser veranstaltung entscheidend prägt. umso erschreckender muss es für die emma-chefin sein, dass die public-viewing-angebote zur em von weiblichen und männlichen fans in einem ausgewogenen verhältnis und in eintracht wahrgenommen werden. junge frauen partizipieren am massenphänomen fußball. sie pilgern keinesfalls zum bier holen vor die leinwände, nur selten wegen michael ballack und meist aufgrund ihrer begeisterung für ein gutes spiel. mädchen mit feministischen ideen finden sich in dieser gruppe durchaus. der immense erfolg von charlotte roches 'feuchtgebiete' hat in den vergangenen wochen dafür sorge getragen, dass viele junge frauen das erste mal das wort feminismus neugierig und liebevoll beäugten, und dem ihm anhaftenden image von untervögelten, kurzgeschorenen hardliner-emanzen den staub von dach bliesen. anstatt diese trippelschritte zu umarmen und mit den 'neuen mädchen' in dialog zu treten, bezeichnet schwarzer deren ideen als wellness-programm, ausgerichtet auf karriere und männer. wer als frau also freude am herrenfußball verspürt, braucht dringend schwarzersche erleuchtung, kann maximal eine verblendete wellness-feministin sein. dass dieser entwertende kommentar ein diffamierender schnellschuss ist, und alice schwarzer eingeschnappt und selbstherrlich eine wirkliche auseinandersetzung mit den neuen feministinnen verweigerte, soll hier nicht weiter vertieft werden, da das andere f-wort heute vorrang genießt. wir wollen fußball gucken!

für uns stellt sich die frage nicht, wie das gender-korrekte fußballerlebnis zu gestalten ist, denn nicht für jede alltagssituation benötigt das deutsche paar einen ratgeber. die geschlechterverständigung muss nicht am fußball scheitern: ein blick in die derzeitigen fußballrunden lässt keinen anderen schluss zu, und auch in unserer wg frönen zwei frauen und ein mann friedfertig den ballkünsten im küchenfernseher; die vierte im bund ging zwar kurzerhand auf reisen, um ihrer verweigerungshaltung nachdruck zu verleihen. but we are pro-choice. flo darf weiterhin bei uns wohnen. mein trendwatch ist allerdings besonders unserem schweizerchen gewidmet, allen anderen lesern seien die folgenden möglichkeiten des fußballschauen aber ebenfalls ans herz gelegt:

für wen die sterne günstig stehen, und wer die rosa brille auf der nasenspitze balanciert, sollte an diesen heißen sommertagen das kühle nest aus weißen laken nicht verlassen. die trikots bleiben von anpfiff an auf der bank; bequemer kann man das treiben auf dem rasen kaum verfolgen. gespielt wird eins gegen eins mit variablem regelwerk. halbzeit und träge begegnungen können durch autarke programmgestaltung überbrückt werden. fußball als paartherapie. fußball im auftrag des demographischen wandels. fußball bleibt die schönste nebensache der welt.
doch wie würde schwarzers analyse zur unbekleideten variante des fußballschauens lauten? der feministin zufolge ist sex außschließlich machtinstrument. ist fußball im bett nun repression durch den mann oder manipulation von seiten der frau? waren beide am ende nur faul oder meiden menschenmengen? eine beweisführung hinsichtlich der frage, wessen wille siegreich das fußballsehen ins bett verlagerte, wird kaum hervorbringen wird, wer hier wen dominiert hat und ob dies aus sexuellen motiven geschah. somit liegt an dieser stelle mit gutem willen auch kein geschlechterkonflikt vor, mit bösem willen vielleicht ein perfider streich des wellness-feminismus, im besten falle aber eine gemeinsame machenschaft.



gemeinsames fußballfieber kann ebenso unter freiem himmel gelebt werden. eine insel der glückseligkeit für den konsumtyp wellness-fußball-fan hat sich mit beginn der europameisterschaft in der spree aufgetan und ist mein tipp für alle berliner. die freundliche botschaft residiert am kreuzberger ufer in der pfuelstraße und ist vielleicht eine der schönsten plätzchen um die em entspannt zu genießen.
ab 17.00 uhr kann man sich jeden tag in die kissen auf dem terassengroßen floß betten um die spiele auf bildschirmen und leinwand zu verfolgen. gekühlte getränke und futter vom grill stehen bereit, der sonnenuntergang hinter dem fernsehturm versorgt alle urlaubshungrigen mit ein bißchen seelennahrung. nach dem spiel muss keine reise in die nächste bar angetreten werden, denn für musik ist ebenfalls gesorgt. bei regen und kühleren temperaturen bietet die freundliche botschaft zudem auf zwei etagen genügend platz um mit büro-, wg- und krabbelgruppen-tipprunde den abend zu verbringen. in den kommenden wochen soll das programm mit parties, konzerten und weiteren angeboten erweitert werden.

ich verleihe der botschaft ein prädikatsurteil, mit einem besuch auf der myspace-seite und einem blick auf die fotos könnt ihr euch vorab den ersten appetit holen. in der pfuelstraße 5 in der nähe des schlesischen tors liegt das schmucke stück vor anker.

aktuelle spielanalysen gibt es von mir heute nicht, wer sich aber für fashion & fußball interessiert kann in der wochenendausgabe der süddeutschen einen text über den stil und die modischen fehlgriffe der deutschen nationalelf lesen. auch mahret von f&art widmet sich den jungs in modischen fragen. jogis schäfchen herausgeputzt in strenesse, inszeniert und fotografiert von bryan adams könnt ihr an dieser stelle auf der website des sängers begutachten.

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