es gibt tage, da freut man sich um so mehr so hübsche kinder wie diesen blog und knicken zu betreuen. zu anfang habe ich die texte ohne ein direkt adressiertes publikum geschrieben, und mich an der zusammenkunft holder wörter, sperriger satzteile und teils wirrer, teils heller gedanken erfreut. ein text für einen meiner blogs, ist in der endsumme ähnlich genugtuend wie das entstehen einer zeichnung auf ehemals weißem papier. die wahl der passenden bildsprache, das einfärben der liebreizenden vokabeln, die passende überschrift und die entscheidung im ton rational, sarkastisch oder vorlaut zu werden - ist ein prozess der mein herz mehr erquickt als shoppen. manchmal ist es sogar besser als ein biss in den nacken.
gezweifelt, zu welchem zweck ich die blogs umhege habe ich nie, denn schreiben ist stets auch selbstzweck und folgt nicht immer ökonomischem kalkül, dem blick auf karriere oder hat missionarische absicht. gezweifelt haben andere, die meine zeitliche investition in diese seiten im netz, so klein und unter vielen, stark in frage gestellt haben. genau diese leute haben blogs allerdings bis heute nicht verstanden.

es kann in deutschland immer noch eine weile dauern, bevor auch nur annähernd die hälfte der mediennutzer verstanden hat, wie blogs zu lesen, zu verstehen und zu nutzen sind. natürlich haben die leser keinen ausgereiften journalismus vor der nase, doch überall im netz lauern perlen ihrer gattung, und gute, auch durchaus persönliche blogs können das eigens selektierte menü medialer leckerbissen um sprünge reichhaltiger machen, ansprüche an stil befriedigen, wissensdurst stillen und sätze direkt an dein herz dirigieren.



dieses kleinod hier zu schreiben, hat mir mehr gebracht als jahrelanger zeitungskonsum und sporadisches fernsehen gucken. blogs zu lesen, zu schreiben, anzugucken und wieder zu vergessen, ist aktives mediennutzen mit starkem fokus auf dialog und diskurs, leidenschaftliches streiten, gemeinschaft und freundschaft. blogs sind keine digitale inszenierung die in virtuellen freunden resultieren; blogs make you go out there, meet people, get to know them and fall in love.

ich war in höchstem maße skeptisch, als ich über mahret zu einem blogger-treffen zur kopenhagener fashion week eingeladen wurde. ich, die ihren freundeskreis aus sorgsam selektierten männern speist, mit ihnen wohnt, lacht, feiert, knutscht, debattiert, deren beste freundin keine frau ist und die ihre letzten frauenzeitschriften mit sechzehn verbrannt hat. ich hatte also zugesagt, ein paar tage mit fünf anderen frauen, die fast ausschließlich über mode schreiben, im kopenhagener modezirkus zu verbringen.
2008 hatte eine weitere überraschung für mich bereit: ich traf an einem tag am gleichen ort fünf der smartesten, offensten, unkompliziertesten und liebreizensten frauen, die sich bislang in meinem radius aufgehalten haben. fashion-bloggerinnen - you heard me right.



hier also eine weitere noch nicht erkannte chance, die blogs inne wohnen: die klügsten köpfe. denn obgleich die blogosphäre - misst man diese an den deutschen blogcharts oder den nach medialer aufmerksamkeit lechzenden bloggestalten - männlich dominiert scheint, finden sich hier unzählige frauen, die etwas zu sagen haben. bloggen kann natürlich jeder idiot mit computer und notdürftiger rechtschreibung, einen blog hingegen zu etablieren, technisch und optisch umzusetzen, zugang zu inhalt und veranstaltungen zu bekommen, gleicht einem kleinunternehmen - in oben genannten fällen immer ein kleines mediumimperium gebaut auf den zarten schultern einer jungen frau.
würde ich nun ein eigenes unternehmen leiten, ich hätte berge versetzt um diese damen für meine zwecke einzuspannen. glücklicherweise kommen auch langsam andere menschen in den entsprechenden positionen auf diese idee. wer hätte mir letztes jahr geglaubt, wer kauft es mir heute ab wenn ich schreibe, ein mit herzblut geschriebener blog ist wohlmöglich eine bessere investition in deine zukunft als ein straight durchgezogenes studium, drei praktika in pr, medien und wirtschaft, oder dein lang geübtes, herbes auftreten um mit karriereglatter ausstrahlung zu überzeugen. ich erwähnte in einem post vor kurzem die frau, die das buch mit dem titel "the best plan for developing the leader you need" in der s-bahn las, ein buch, dass ich niemals anrühren werde. wenn man nun einen außerwöhnlich klugen kopf für eine mediale unternehmung oder etwas themenspezifisches sucht, ist es kein falscher ansatz zu schauen, wo und wie diese leute sich im netz bewegen und nicht zu fragen, welche seminare sie zu leadership-kompetenz besucht haben. das internet macht nicht notwendigerweise dumm, in den richtigen händen kann es ungemein bilden, befähigen und inspirieren.



in den weiten des internets wurde ich glücklicherweise auch kürzlich entdeckt und mein lobbyistendasein endete jäh, aber ohne eine einzige träne. mein herz hat auch heute ungemein gehüpft, als flannel apparel an anderer stelle durch den ausspruch "flauschiger girlism gedanke mit tendenz zur großkarriere" charakterisiert wurde. das schmeichelt, und komplimente prallen meist an mir ab, da ich meine karos hier und artikel unter dem dach von knicken immer noch als experiment betrachte, aber nicht als medaillenkandidat. wenn ich knicken und seine flauschige schwester allerdings als meine kinder bezeichne, dann habe ich vor kurzem meine große liebe getroffen. sie heißt freitag, und wird noch von sich reden machen. dort geht es auch um sprünge im netz, schöne worte und große gedanken. ich hoffe ihr schaut mal vorbei, wenn es soweit ist. ich habe mein hochzeitskleid schon ausgesucht, und eheliche kinder sind in planung. und selbst das war vor knapp einem jahr noch anders. kinder habe ich mir damals nämlich nicht gewünscht.

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5 Comments:
Blogger modedorf said...
wow - ich bin hin und weg.

Blogger frollein tessa said...
grazie. ob das nun auch für die männlichen modeblogger zutrifft, sei deinem urteil überlassen. lg

OpenID marsupialia said...
Wirklich toller artikel! Manchmal denke ich, wir sollten doch auf Deutsch schreiben. Auf English fehlt doch die Feinheit im Ausdruck, die man in seiner Muttersprache zustande bekommt.

Blogger frollein tessa said...
dankeschön. auf deutsch schreiben ist auch gar nicht so falsch - es noch zu wenig hübsches auf deutsch, und so viel schönes auf englisch. also ran die tasten.

Blogger smilla said...
Respekt!

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