die new york times und die tageszeitung gruben das mir wohlbekannte thema mal wieder aus der kiste: schaue ich als frau um mich herum, oder wage den blick in eine für mich konzipierte zeitschrift, gewinne ich oft den eindruck primär als willenloses werbeopfer wahrgenommen zu werden, auf das man schwungvoll pinkgefärbte werbeaktivitäten abfeuern kann.
der taz-artikel von wolfgang ullrich bringt elegant auf den punkt, was für biedere marketing-abteilungen, die glauben mit putzig pinken verkaufsstrategien die besten erfolge bei den deutschen frauen zu erzielen, noch ein immenses problem werden könnte. ein blick in auswertungen der letzten allenbacher markt- und werbeträger-anaylse genügt, denn dort wurde erst kürzlich in diesem feld eine klare sprache gewählt, und anschaulich dargelegt, dass die gruppe der frauen, die sich als emanzipiert wahrnimmt, wirtschaftlich unabhängig ist und einen großen finanziellen spielraum hat, stetig wächst. ob diese frauen sich weiterhin mit einem pinken rasierer abspeisen lassen, oder klassisch, zeitloses design bevorzugen (gibt es das bei damenrasierern überhaupt?), ist leicht zu beantworten. das sz-magazin behandelte eben dieses theman vor einigen monaten in okka rohds text: "winzig, putzig, schaurig".
einen anderen aspekt der starken ausrichtung von werbemaßnahmen auf frauen beleuchtet der new york times artikel "woman to woman, online": hier beschreibt claire cain miller eine entwicklung, die unter anderem glam media nach deutschland tragen möchte: frauen-websites und blogs werden zu einem großen werbenetz zusammengeschlossen und vermarktet, was für die autorinnen sicherlich einen gewissen ökonomischen reiz bietet, publizistisch die frauenmedien hingegen kein stück voran bringt. so schreibt auch miller:

"to the disappointment of some women who want sites that focus on serious issues like politics, advertisers are not interested in every kind of content. they gravitate to the tried-and-true topics of women’s magazines: fashion, beauty, celebrities and love life.
so do the readers. "time and time again, women are happy to see their relationship with their food, their clothes and their relationships externally manifested in entertainment and how-to content," said lauren zalaznick, president of nbc universal’s women and lifestyle entertainment networks, including ivillage."


dies scheint lukrativ, ich halte trotzdem dagegen, das die strategie, websites mit fokus auf den oben beschriebenen frauenschwerpunkten: fashion, beauty, celebrities, love life - and of course: diet & weight loss - keinen langfristigen erfolg versprechen kann, wenn man die entwicklungen des weiblichen selbstverständnisses und der erwerbsquote betrachtet.



deutschland als republik, dominiert von blonden mädchen mit zöpfen und pastellfarbenen rüschenkleid, zu verstehen, kann nicht die antwort auf erfolg im hart umkämpften werbemarkt sein. ein flüchtiger blick zu den nischenzielgruppen, die schon lange nicht mehr über mainstream-medien erreicht werden, ist vielleicht erster ansatz für die strategen mit der rosa-roten brille.
in diesem zusammenhang empfehle ich zwei weitere texte, erschienen bei jezebel und broadsheet, die sich kritisch damit auseinandersetzen, dass frauen im sprachgebrauch, in popkultur und werbung, weitaus häufiger als mädchen bezeichnet werden, anstatt von frauen zu sprechen. hier geht es zum text von jezebel und zum broadsheet-kommentar gelangt ihr über diesen link.

broadsheet, jezebel, xx-factor oder auch die kolumne von camille paglia sind exzellente webangebote, die schon längst für den deutschen markt hätten adaptiert werden müssen, denn sie bedienen fraueninhalte mit publizistischem fokus, erkennen das weibliche interesse an politk, wirtschaft und forschung, und platzieren nicht dünne texte inmitten blinkender anzeigen. ich bin gespannt, wer sich diesem auftrag annimmt, und wann. solange ist es von vorteil englisch zu sprechen und zu verstehen. für diejenigen, die die seiten noch nicht kennen, folgt nun eine (viel zu) knappe beschreibung, die ich fürs aktuelle face-magazin geschrieben habe.

www.jezebel.com
jezebel ist ein blog mit vernehmbar feministischen beiklang ohne dabei an witz und sexappeal zu verlieren - das lifestylemagazin für scharfsinnige frauen, die auf mode und klatsch nicht verzichten wollen, aber auf die verschleierte sexistische agenda klassischer frauenmedien getrost verzichten können.

www.theonlyglitterati.com
marlowe hat “the strongest weapon in the world is the teenage girl” zu ihrer maxime gemacht, und sie weiß dieses waffenarsenal für ihre anliegen zu nutzen. was zunächst als groupie-tagebuch anmutet, entpuppt sich als goldgrube der besten fotostrecken und interviews mit den bands, die mtv in zwei jahren hypen wird.

camille paglia im salon
camille paglia ist eine der von feministinnen am meist gehassten feministinnen, die ihr mitunter frauenfeindlichkeit vorwerfen während sie dem mainstream-feminismus unterstellt, junge frauen in eine opferrolle zu drängen. für den salon schreibt sie vorwiegend über politik.

broadsheet
salon's frauenblog springt in eine nische, die in deutschland immer noch unentdeckt ist. als allumfassendes frauenmedium verzichtet sie weder auf politik- und wirtschaftsthemen, noch auf die männer. broadsheet glaubt nicht nur, dass männer unverzichtbarer bestandteil aller debatten um frauenfragen sind, sondern hat selbstverständlich eben diese in redaktion und leserschaft integriert.

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2 Comments:
Blogger Herr Schmitz said...
und da denk ich noch an unser pr0n-projekt und plötzlich redest du wieder nur von publizistischen inhalten... ;)

Blogger frollein tessa said...
moment: ich denke ebenso, dass das ernsthafte interesse von frauen an guter pornographie unterschätzt wird. für das projekt bin ich immer noch im boot!

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