männer auf dem frühstückstisch, so ließ zunächst die überschrift des großen interviews im wochenendteil der sz heute vermuten: renate künast über männer. das lesen des interviews entlarvte die wahl der titelzeile aber flugs als kleine falle. natürlich klingt es verlockender die spitzenpolitikerin der grünen über das andere, über das böse geschlecht reden zu hören. schwerpunktmäßig darf sich frau künast allerdings eher zu frauenpolitik und feminismus äußern. die provokanteste frage zum thema mann ist das abschließenden nachbohren nach dem wohlfühlfaktor frau: wären sie lieber als mann geboren? ihre antwort könnt ihr euch denken. hätte sie bejaht, hätte die sz diese frage auch kaum an den ende des textes stellen können. leider hält das interview auch vor dieser frage keine großen überraschungen bereit. es geht um alice schwarzer, angela merkel und ursula von der leyen, die allesamt keine wirklich frauenpolitischen anliegen haben. ganz richtig bemerkt künast, angela merkel hätte sich als neutrum positioniert, von der leyen machte familien-, aber keine frauenpolitik, und schwarzers lauteste aktion in diesem jahr waren wohl die peinlichkeiten um die neubesetzung der chefredakteurinnenstelle der emma.
renate künast deckt den frühstückstisch nicht mit neuen ideen oder streitbaren thesen zu den themen frauenpolitik, feminismus, geschlechterkampf und dem umgang mit männern. im gleichen atemzug in dem ich das kritisieren könnte, muss freilich auch gefragt werden, ob sie das als spitzenpolitikerin der grünen muss? muss angela merkel sich frauenspezifischen anliegen widmen? natürlich müssen sie es nicht, natürlich gibt es wichtigeres. aber wenn frau von der leyen, in deren politischen ressort frauenpolitik verankert ist, sich allein über familienpolitik und lachende kinder positioniert, wer tut es dann? ein mann?
vielleicht ist das die idee, für head turning moments im nächsten wahlkampf. ist so etwas vorstellbar, dass ein kurt beck, ein guido westerwelle oder selbst angie über die lohnunterschiede zwischen frauen und männer spricht, wie es beispielsweise obama tat? wenn frauenthemen mittlerweile in der popkultur heißer diskutiert werden als von weiblichen politikern, dürfen politiker dann überhaupt den mund aufmachen? es käme einem kleinen wunder gleich, wenn angela merkel ihren wahlkampf für einen weiblichen anstrich öffnen würde, doch liebe strategen: wer tut es dann? frauen sind die lieblinge der werbetreibenden, und wahlkämpfe, so wird nicht erst seit dem erodieren der klassischen konfliktlinien argumentiert, funktionieren in teilen mit dem einsatz von techniken aus der produktwerbung. ist es nicht paradox, für frauen alles pink zu färben, aber den wahlkampf nicht? es geht um jedes prozent, selbst wenn frauenpolitik nicht nur auf der gefühlten, sondern auch auf der realen agenda weit hinter benzinpreisen, bildung und heuschrecken rangiert.
die interessen von frauen und männern haben sich trotz der zahlen, die belegen dass frauen finanzielle unabhängigkeit wollen, dies umsetzen und sich als emanzipiert wahrnehmen, nur langsam angenähert. wahlkampf ist nicht ehrlich, wahlkampfversprechen sind so nachhaltig wie hennatatoos und ein bißchen schmutzig sollte wahlkampf auch sein. von daher könnte es ein großer spaß für alle beteiligten sein, auszuprobieren, welche themen abseits von rente, steuern, kindern und umwelt eigentlich noch das zeug haben die sonntagsfrage aus dem takt zu bringen. ein bißchen spinnerei darf sein, denn heute ist samstag - aber es wäre nicht nur ein herzzerreißend amüsanter dokumentarfilm, mit einem politischen amtsaspiranten auf wahlkampftournee für frauen zu gehen? denn gar nicht weitab von klamauk und politischer realität würde so etwas zumindest für eine zeit als sprachrohr funktionieren, das derzeit nicht existiert.

das interview mit frau künast verlinke ich sobald es online ist, solange schaut euch ihr interview ohne worte im sz-magazin an. mehr wegweiser zu texten fürs wochenende findet ihr heute abend oder morgen im recap bei knicken.


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1 Comments:
Blogger frollein tessa said...
http://www.renate-kuenast.de/renate_kuenast/persoenlich/ueber-maenner

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