meiner liebsten und definitiv als heimat angenommener stadt berlin habe ich ein paar tage den rücken gekehrt; zum einen, um in einer münchner bar fan death aufzulegen, krabat begeistert anzuschauen und mich im zug durch die tiersex-szenen in dietmar daths 'die abschaffung der arten' zu quälen. es gibt bessere bücher in diesem herbst.

eines dieser bücher, die ich in besonderem maße fürs lesenswert erachte und die thematisch hübsch in diesen blog passen, ist 'berlin seoul berlin' von miriam yung min stein. anbei findet ihr mein vorwort zu einem 4000 worte starkem interview, das in dem in dieser woche erschienenen face-magazin zu finden ist. das titelthema des aktuellen heftes widmet sich uns, den frauen. neben miriam stein habe ich silvana koch-mehrin zur frau in europa auf den zahn gefühlt und ein paar worte zu romy schneider verloren. zudem erfahrt ihr mehr über cosma shiva hagen, der berliner schauspielerin jenny ulrich, der porno-darstellerin jana bach und könnt euch in der mitte des heftes in scharfzüngige kurzgeschichten von roman libbertz & ariane sommer, stefan kalbers und daniel vujanic stürzen. texte in dieser qualität und menge hält derzeit wohl kein deutsches magazin bereit. daher hat dieser text auch keinen werblichen charakter, das ist eine liebeserklärung an den hoffnungsschimmer im magazin-markt dieses landes.


Hier gehört sie hin. Zumindest teilweise.
Miriam Yung Min Stein im Gespräch. Face-Magazin 03/2008.

Das Wort Mädchen schwimmt mit Biss und ohne Charme auf einen Medaillenplatz der Unwörter des Jahres. Neue deutsche Mädchen, Alphamädchen oder Mädchen, die auf Toiletten Tampons tauschen braucht laut den feministischen Manifesten junger deutscher Schriftstellerinnen die Republik. Kohls Mädchen wird mittlerweile seit November 2005 als Frau Kanzlerin angesprochen. Anstatt sich mit neuen deutschen Mädchen Mitte dreißig auseinanderzusetzen, trifft Angela Merkel die Frauen von Morgen lieber auf dem Girls-Day und informiert Schülerinnen über Berufswege in Natur- und Ingeneurswissenschaften.
Miriam Yung Min Stein, Autorin der gleichen Generation, der die neuen Feministinnen entstammen, hat sich selbst und ihre Rolle in dieser Gesellschaft an anderer Stelle gesucht, denn zum einen machte eine Karriere aus dem Alphamädchenbilderbuch sie nicht glücklich, zum anderen steht für Miriam Stein fest: Ich bin eine Frau, und niemand muss Alice Schwarzer um Erlaubnis fragen, wenn er Sex haben möchte oder Pornos gucken will.
Über das Frausein in Deutschland und anderswo hat Miriam Stein trotzdem mit uns gesprochen; zudem befragten wir sie zu ihrem ersten Buch „Berlin Seoul Berlin“, in dem sie die Bedeutung ihrer Adoption aus Südkorea 1977 für ihren Lebensweg aufarbeitet. Erst nach ihrer Jugend in Osnabrück, Leben in London, Studium in den USA und ihrer Arbeit als Filmemacherin für Werbung und Musikvideos entschließt sie sich an den Ort ihrer Geburt zurückzukehren, um den Antworten, die ihr weder ihre Eltern, noch der Erfolg, das Jet-Set-Leben oder Berlin geben konnten, näher zu kommen. Neben einer deutlichen Position zum Thema Auslandsadoption gelingt Miriam Stein zudem eine scharfblickende und persönliche Darstellung des koreanischen Alltags sowie eine intensive Reflektion zu Wert und Bedeutung von Zugehörigkeit, Vertrauen und Lebenszielen.


Miriam Yung Min Stein
Berlin Seoul Berlin - Auf der Reise zu mir selbst
Krüger Verlag


Delicious bookmark this on delicious

Labels: , , ,

0 Comments:
Links to this post:
Link erstellen