11/06/2008


einen parteitag und diverse blogger-ausflüge habe ich in diesem jahr schon hinter mich gebracht. vom fdp-bundesparteitag in münchen habe ich zwar nicht gebloggt, sondern dort hauptsächlich in der presse-lounge den hervorragenden spargelsalat verschlungen und mit wolfgang gerhardt em geschaut, einen bleibenden eindruck hat neben guidos nicht enden wollender rede aber vor allem die präsenz der sponsoren hinterlassen: die frühstücksbrettchen des atomforums sind in meiner wg der hit, nicht minder gern trägt herr schmitz sein pinkes armband mit der aufschrift kernenergie.

desweitern fuhr ich, wie hier diverse male beschrieben, mit fünf anderen damen zur fashionweek nach kopenhagen. der ausflug war zwar von einem großen deutschen konzern gesponsert, aber dank kluger planung war er genau so wenig ein corporate trip oder hat käufliches bloggen bedeutet, wie die aktion der grünen es nun sein wird: sie laden 5 blogger zur bundesdelegiertenkonferenz und übernehmen die fahrt- und übernachtungskosten.
die grünen haben zweifelsohne in der deutschen parteienlandschaft die größte webkompetenz, und das einladen von bloggern sollte nicht vorschnell als stimmenfang und kostenlose mediale präsenz beschimpft werden, sondern als das betrachtet werden, was es ist: eine annäherung an oder neugierde für veränderungen im mediensystem und gesellschaftlichen diskurs, den es unklug wäre auszublenden. die grünen scheinen in ihrem verständnis der blogosphäre weiter als die kritischen stimmen, die heute laut wurden: denn wer annimmt, dass blogschreiber nach kostenlosen ausflügen und produkten lechzen, um in gegenleistung dafür pr-texte zu verfassen, hat das wesen der blogosphäre bislang nur touchiert. würden blogger multiplikator für pr-geschwafel und rosige berichterstattung sein, bräuchte eine partei sie gar nicht weiter beachten, da so etwas vom mündigen und kritischen leser, für den sich jeder hält, direkt entlarvt würde und daher keinerlei relevanz besäße.

was ich hinter der bloginitiative der grünen eher vermute, ist, dass die verantwortlichen in weiser voraussicht beginnen, bereits jetzt erfahrungen mit blogs und anderen kommunikationswegen und meinungquellen im netz und in der realen welt zu sammeln, aber vor allem bereits heute signalisieren, dass sie den bürgerjournalismus und der bedeutung, die dieser mitunter erlangen könnte, respekt zollen. wenn eine partei ihre stellung im prozess der politischen willensbildung ernst nimmt, führt an einer kommunikation mit bloggern kein weg vorbei, sollte aber ebenso wenig als dialog mit exoten betrachtet werden.

was darf hier von mir für die zusammenkunft der grünen erwartet werden? streetstyle fotos mit claudia roth? geschliffene lobreden auf frauenpolitische bestrebungen? schnappschüsse des bio-essens? vielleicht. da ich aber gerade unter anderem für das f*c* magazin an einer interviewreihe zu wahlkampf & werten arbeite, schreibe ich mit großer wahrscheinlichkeit auch etwas halbwegs seriöses. staubtrockene analysen von ebenso eingetrockneten journalisten sind aber auch nicht immer der weg, junge menschen in kontakt mit politischen inhalten zu bringen. der bundeszentrale für politische bildung, stiftungen und anderen parteien wäre es daher auch nur zu raten, ihr engagement von schülerzeitschriften ein mal in richtung blogs zu bewegen.

mehr zum blog-stipendium der grünen außerdem bei coffee & tv und dem pottblog.

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7 Comments:
Blogger Rajesh Goyal said...
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Anonymous mikel said...
ich freu mich auf die Parteitagschose!

und bin gespannt!°

Anonymous David said...
>>>denn wer annimmt, dass blogschreiber nach kostenlosen ausflügen und produkten lechzen, um in gegenleistung dafür pr-texte zu verfassen, hat das wesen der blogosphäre bislang nur touchiert.>>>

Hey, was hat es mit blogosphäre zu tun, wenn man sich reisen und essen und schlafen und schreiben von den grünen bezahlen läßt? Richtig - nichts.

Du sprichst genau das wichtige an. Für die pr-leute sind nur die schreiber relevant in der blogosphäre, die glaubwürdig rüberkommen. Sie brauchen auch keine pr-texte von Dir. Die können sie selber besser verfassen.

Die propagandisten brauchen glaubwürdige leute, die freiwillig schreiben. Was, ist fast egal. Hauptsache sie schreiben. und drei von fünf werden schon gut im sinne der partei berichten.

Verstanden? Niemand will pr von Dir. Du bringst das hipster-potential mit. Mit Dir geben die staublangweiler an.

Das problem ist: wie kauft man leute, die glaubwürdig sind.

Das ist nicht so einfach.

Einen glaubwürdigen menschen kann man nicht kaufen, indem man ihm einen geldschein in die hand drückt. Das würde jeder ablehnen, der sich nicht prostituieren will.

Deswegen läuft die nummer über hotels, reisen, etc....

Sei nicht naiv. Denk nochmal nach. Und denk drüber nach, was deine leser von dir halten.

Ich kann nur für mich reden. Ich würde mich nicht so billig verramschen. Das hat auch mit meinem selbstwertgefühl zu tun.

Schon als ich angefangen habe als schreiber, wäre ich nie auf die idee gekommen mir einen parteitagsbesuch von einer partei bezahlen zu lassen.

Ich hab mich mal einladen lassen, so ist das nicht. Aber nie von einer partei. Da geht es um das wichtigste in der demokratie.

Ich hab mich mal von dem regionalverband ruhr einladen lassen. Das würde ich jetzt auch nicht mehr tun. Ich hab nachgedacht.

Wenn du das willst, OK. Mach es. Irgendwo da drin ist immer ein gewissen. Moral ist sauer. Und manchmal stößt sie auf. Manchmal kommt man aber auch zu einer neuen erkenntnis und entdeckt, das man einen fehler macht.

Damit du mich richtig verstehst. Ich will dich nicht verurteilen. Ich will einen gedanken bei Dir anregen.

Davon ab ist Dein Blog wirklich toll. Grafisch eines der besten Dinger, die ich gesehen habe. Auch die texte gefallen mir.

Nix für ungut.

Grüße David

Blogger frollein tessa said...
david, danke, für deine ausführliche und konstruktive kritik. ich sehe es aber dennoch anders, und finde die formulierung blogger zu kaufen, ein wenig hart.
die deutsche blogosphäre zeichnet sich doch eigentlich dadurch aus, dass sie sehr kritisch ist, und zudem sehr wenig interesse daran besitzt, mit ihren aktivitäten geld zu verdienen. da viele blogger dies als hobby und aus leidenschaft betreiben und sie finanziell nicht abhängig von anzeigenkunden sind, haben sie in ihrer berichterstattung sogar größeren freiraum als viele magazine. was mittlerweile an advertorials umgesetzt wird, wie luxuriös die trips von lifestyle und autojournalisten sind, und wie viele redaktionellen beiträge irgendwie erkauft sind, halte ich für erheblich bedenklicher, als eine einladung von bloggern zum parteitag. journalisten werden ziemlich verwöhnt, und das weiß man nur, wenn man die branche kennt. da redet niemand drüber, da bloggt noch nicht einmal jemand drüber.
parteitage sind auch kein spaß, sondern größenteils staubtrocken, ich opfere meine freizeit, und zwar nicht, um meinen blog zu boosten oder weil ich die aufmerksamkeit brauche, denn mein blog ist klein, fein und wächst organisch an den themen, die ich auswähle. der grüne parteitag interessiert mich, ich wäre aber nie nach erfurt gefahren. wäre er in berlin gewesen, wäre das was anderes, und dort hätten sich sicherlich mehr als fünf eingefunden, da die blogosphäre hier, nicht nur aufgrund der größe der stadt, groß und aktiv ist. kann man so etwas für erfurt behaupten? ich war in diesem jahr schon auf dem bundesparteitag der fdp in münchen, ohne von der fdp eingeladen worden zu sein oder mitglied zu sein, ich war auf dem kulturkongress und der friendeskonferenz der grünen in berlin, aus interesse.
kaufen die grünen sich mit mir einen hipster ein? müssen sie das? glaubst du, die blogs vom parteitag werden viele leute lesen, die sich nicht ohnehin dafür interessieren? seien wir mal realistisch, blogs sind in deutschland von ihrer bedeutung immer noch sehr sehr klein. die aufregung um die initiative der grünen spielt sich ebenfalls in einem sehr sehr kleinen rahmen ab.
es ist sicher nicht die beste variante blogger finanziell zu unterstützen, aber die blogszene, und gerade die poltische zu fördern in dem man sie anspricht, finde ich nicht falsch und eher lobenswert.
ich kann für mich ganz klar sagen, dass ich in berlin kontinuierlich politische veranstaltungen besuche, und in zukunft auch weiter tun werde, vielleicht schreibe ich auch vermehrt darüber, ich schätze das interesse daran bei den lesern hier aber eher gering ein. wäre die bdk hier gewesen, hätte ich sicher mal reingeschaut, nach erfurt wäre ich eigesn finanziert aber sicherlich nicht gefahren.
ich habe von diversen firmen schon dinge zugeschickt bekommen, darunter ein verdammt teures handy von nokia, über das ich nie ein wort verloren habe, weil ich entscheide, was ich schreibe, und was mir gefällt. über die grünen schreibe ich nur - und was ich schreibe steht ja immer noch aus - weil es meinem ganz persönlichen interesse entspricht. und wenn die grünen in den kreis meiner interessen fallen, profitieren sie genau im gleichen maße wie alle anderen dinge, seien es bands, modelabels, künstler oder events, die irgendwie in meinen texten auftauchen.
sicher ist das bei parteien einen tick heikler, aber mit stimmenfang hat das nichts zu tun. wie man zu einer politischen position und einer wahlentscheidung kommt ist sehr komplex, ich schreibe zudem stets aus sehr subjektiver sicht, und beabsichtige keinesfalls politische programmatik der grünen hier anzupreisen. nicht nur aus dem grund können texte hier für leser lediglich zu meinungsbildung, aber nicht meinungsmache beitragen. jeder wird die texte hier durch seine politische brille wahrnehmen - sollten menschen nach der lektüre meines blogs von einer völlig anderen politischen prädisposition plötzlich zu den grünen überlaufen, müsste ich ein begnadeter plädoyerschreiber sein.

ich schreib die tage sicherlich noch mehr dazu, warum ich bloggen vom parteitag demokratieförderlicher, und nicht -gefährdend betrachte. und auch nur als kleine anregung: wo siehst du denn den journalismus, die medien, die persönlichkeiten, die junge menschen in kontakt mit politik bringen - überparteilich?

Anonymous David said...
Hi frollein tessa.

ich finde es gut und richtig, blogger zu parteitagen zuzulassen. Sie zur berichterstatung zu ermuntern. Die öden laberbudenbetreiber und hinterzimmerstrippenzieher aufzumischen. Durch neue frische öffentlichkeit. Das ja.

Aber das bezahlen ist schlecht. Schau: Du sagst selbst, dass du bloggst vom parteitag unter anderem um die junge menschen in kontakt mit politik bringen.

Was werden sie denken? Super. die läßt sich den spaß politik bezahlen.

Nicht mal mehr dem blogger können wir trauen? Weil da andere interessen hinter stehen? Nämlich das übliche: Geld, vorteile und das fressen.

Das ist meine angst. Da werden neue junge leute von neuen jungen leuten herangeführt und gewöhnt an eine korrupte welt in einem neuen medium.

Das macht mir angst.

Ich will nicht erleben, dass die demokratie durch geld in ihrem kern korrumpiert wird.

Ich weiß auch, dass die welt nicht weiß und nicht schwarz ist.

Nehmen wir das handy-bispiel: Du kannst werbung ablehnen. Du kannst werbung kenntlich machen. Du kannst drüber bloghen und sagen. das handy hab ich geschenkt gekriegt, deswegen schreib ich jetzt hier drüber. Das kann man alles machen. Aber das ist business. Da ist fast alles grau. Und es ist sehr schwer sauber zu bleiben.

Aber bei der partei geht es um mehr. Da geht es um die demokratie selbst. Und wenn die parteien meinungen, positionen und stimmungen bei relevanten, unabhängigen bloggern kaufen können, zerstört das mehr vertrauen, als eine yps jemals zerschlagen könnte.

Verstehst Du meine Position.

Ich werde so etwas nicht tun.

Mir wird manchmal, für sekunden, speiübel, wenn ich an die demos denke, an die attac-leute, an die jungs, die sich für ideen begeistern und dran glauben. Und sehe, wie die grünen, wie sicher auch andere parteien, diese verführen.

Ich hab die leute gesehen in den streiks, ich war bei den bergleuten in bottrop. ich war in ahaus und in gorleben. Ich hab sie gesehen.

Und ich habe gesehen, wie manche so abgesmartet waren aus der hoffnung der vielen kapital für das eigene ego zu schlagen.

Das ist der punkt follein tessa. Das verführen.

Es geht nicht darum, von den grünen zu bloggen. Das ist OK. Es geht darum, sich dafür aushalten zu lassen.

Zu den etablierten medien: dort gibt es seit jahren die qualitätsdiskussion. Und die position, möglichst sauber zu arbeiten setzt sich durch. Denn nur wer qualität liefert, dem kann man vertrauen.

Ich wünsch Dir viel spaß in erfurt. Und wenn du Dich schon einladen läßt, dann mach es wenigstens richtig teuer. Sauf die hotelbar leer. Und verkauf Dich nicht zu billig. Denn Du bist richtig gut.

:-)

Blogger frollein tessa said...
ich hab jetzt leider keine zeit dir ausführlich zu antworten, ich wollte aber nur dem widersprechen, dass wir bezahlt werden. es wird lediglich dafür gesorgt, dass wir da sein können. wie schon gesagt, wäre ich erfurterin, wäre die bdk in berlin - alles kein problem. de facto ziehe ich aus dem bloggen von parteitag aber keinen gewinn. ich hatte hingegen aber sogar ein anderes gebot morgen für gutes geld den ganzen tag für eine veranstaltung in berlin zu bloggen - das ist etwas anderes.
später mehr & beste grüße
tessa

Anonymous Anonym said...
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