fotocredit: facehunter

Im aktuellen Freitag ist eine Karikatur, auf der eine Frau sich über den Kinderwagen der anderen beugt. Sie: "Wer ist denn der Vater?" Daraufhin die Mutter: "Frau von der Leyen".
Scheinbar hatte ich eine blasse Vorahnung, als ich letzte Woche über den Wohlfühlfaktor im weiblichen Wahlkampf schrieb, zu dem Frau von der Leyen ähnlich wenig beiträgt wie andere Politikerinnen der Bundesregierung. Anlässlich der Präsentation ihres vermeintlichen Erfolges bekommt unsere Bundesfamilienministerin nun von allen Seiten Kritik. Hier die Links zu den wichtigsten Texten, die verdeutlichen sollten, dass obgleich Ursula von der Leyen engagiert scheinen mag, sie sich gerne mit fadenscheinigen Federn schmückt und über die Brutplanung der Nation und das in Form biegen der Väter die Frauenpolitik vergessen hat.

Zuächst schrieb Wolfgang Michal bei Carta “Babyboom” & “Neue Väter”: Die statistischen Tricks der Ursula von der Leyen eine diffizile Analyse zu den Zahlen, die die neu entbrannte Vermehrungswut der deutschen aus der Traumwelt der Ministerin wieder in der Realität verortet.

Dann waren die Nachdenkseiten so vorbildlich Frau von der Leyens wahlkämpferichen Auftritt in der Bild am Sonntag für den kritischen Leser noch einmal neu aufzurollen. Dort hatte die Ministerin nämlich verlauten lassen: "Wenn die Wirtschaft wankt, hat die Familie Konjunktur."
Wolfgang Liebs Kommentar zu dieser "Wahrnehmungsstörung aufgrund von Selbstbeweihräucherung" gibt es hier.

Ganz dringend ans Herz legen möchte ich euch den Artikel von Susanne Klingner, der am Montag in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist st. Zwar schwadronierte auf der Seite 2 der SZ ebenfalls über die "Rezepte mit erfreulichen Nebenwirkungen" und zum Thema 'aktive Väter' unter der Überschrift "Große Klappe und endlich was dahinter", doch der Text von Mädchenmannschafts-Autorin Susanne "Viel Make-up - Über die Verwechslung von Frauen- mit Familienpolitik" sollte all die Frauen, die dies ebenfalls denken und sich von der Bundesregierung wieder mehr Frauenpolitik anstatt der ständigen Appelle an die biologische Uhr, in ihrer Meinung bestärken. Denn "die Politik zögert, sie schreckt davor zurück, Frauen und Männern den gleichen Einfluss in Politik und Wirtschaft zuzugestehen. Vielleicht auch, weil sie dafür eine ernsthafte Debatte um Geschlechtergerechtigkeit führen müsste - und nicht nur feministisches Make-up auf ihre Familienpolitik pinseln." Den vollständigen Text findet ihr nach dem Klick.


Überrascht hat mich in dieser Woche Autor Daniel Kehlmann in seinem neuen Roman "Ruhm". Dort findet sich eine kurze Passage mit erstaunlicher Selbstreflektion aus der Sicht einer alten Dame. Auf Seite 57 fing ich an das Buch zu mögen, auch wenn danach nur wenige Highlights folgten:

"Um sich abzulenken, blickt sie in den goldgerahmten Wandspiegel. Sind das wirklich wir? Diese Hütchen, Krokotaschen und wunderlich geschminkten Gesichter, diese gezierten Handbewegungen und lächerlichen Kleider? Wie ist das passiert? Eben waren wir noch wie alle, wir wußten, wie man sich anzieht, wir hatte keine albernen Frisuren! Genau deshalb, denkt Rosalie, mag jeder diese soderbare Dedektivin, Miss Marple - weil sie das Gegenteil der Wirklichkeit verkörpert. Alte Frauen lösen keine Mordfälle."

Ob wir in 50 Jahren stylische, schrumplige Omis sind?


Zum Schluss noch ein Hinweis in eigener Sache. Ich habe in dieser Woche für den Freitag ein Interview mit Leyla Piedayesh, der Designerin hinter Lala Berlin, geführt. Über ihre Inspiration, die politische Symbolkraft des „Palästinenser-Tuches“ als modisches Accessoire und die gesellschaftliche Aussagekraft von Mode spricht sie an dieser Stelle.





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5 Comments:
OpenID marsupialia said...
danke für deinen Post über Frau von der Leyen. Die Äusserungen, die die gute Frau diese Woche so von sich gegeben hat, haben mich auch schon geärgert.

Anonymous Bastian Dietz said...
ich möchte die feststellung unterstreichen, dass die frauenpolitik zugunsten von familienpolitik zurücksteckt. ich selbst komme aus der jugendpolitik und dort läuft es genau so: alles wird unter familie subsummiert. eigenständige interessen von frauen, kindern, jugendlichen, senioren gibt es nicht. nur familie. das ist vdl-weltbild. seufz.
lg
bastian

Blogger frollein tessa said...
und wie steht der moderne mann dazu?

Anonymous cr. said...
liebe Tessa, du bist mit 50 sicher die stylvollste Omi von allen...

Blogger frollein tessa said...
geht man mit 50 schon als omi durch? hoffentlich nicht. ich plane zudem, wenn überhaupt, ein kind um die 30. ich werd dann hoffentlich nicht mit 50 oma. ich werd mir dennoch mühe geben, ordentlich angezogen zu sein. wenn ich mal in die politik gehe, trag ich nur noch geil biedere kostüme aus grobem tweed! watch me!

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