Während der Berliner Fashionweek sind keine neuen Trends gesetzt worden, Diskurs zur Ästhetik, Körperbild und Mode als Kunst angeheizt oder bahnbrechendes Talent entdeckt worden. Auch hat sich die Hauptstadt wieder einmal nicht als Modemetropole etabliert. Ob sie das muss, sei dahingestellt. Deutlich geworden ist im Zuge der modischen Tage in Berlin, dass eine Fashionweek, ein Thema, aber nur ein kleines Modethema war, dass Mode und besonders die von den Laufstegen, immer noch kein Gegenstand der Verständnis für die Massenmedien ist, und weit davon entfernt, eines zu werden. In Berlin purzelten die Relevanzen. Die Mode hüpfte erschrocken zur Seite. Das Wesentliche schwand.

Und im Wesentlichen versagten die Worte. Wir wollten ein Kameralächeln, nur nicht vom Kleid. Die edlen Stoffe der letzten Tage schienen reif und anspruchsvoll konzipiert genug, um nicht nur in Fotografie und Bewegtbild gewürdigt zu werden. Doch Texte wollten nicht gelingen, wurden nicht gewollt. Offensichtlich trat zu Tage, dass der Modejournalismus kümmerliches Stiefkind der großen Medien ist, und Artikel und TV-Beiträge der etablierten Blätter und Sender nicht einmal im Kern streiften, welche Aussagen wirklich hinter Kleiderstangen und Begrüßungsküsschen schlummern. Der Boulevard frisst sich den Weg.

Den Sponsoren, auch den Designern ist es stets lieb, wenn sich sowohl auf dem roten Teppich als auch in der Front Row am Laufsteg die prominenten, die weniger wichtigen und die verblendeten Gesichter, die man aus Fernsehen, Film, Pop, Sport oder als Frau und Exaffäre von Menschen dieser Branche kennt, blicken lassen und den Kennerblick aufsetzen. Die Vorhalle zum Saal der modischen Geschehnisse reihte sich nahtlos in die Absurdität ein, dass Menschen ohne direkten Bezug zur Mode dieser Wert verleihen sollen. Die visuelle Dominanz der Geld gebenden Firmen führte zu einer völlig überladenen Atmosphäre, ein stilloser Jahrmarkt: dick geschminkte Frauen in weißen Lackstiefeln, die schon zur ersten Show morgens um 11 ein Sektglas zwischen den falschen Fingernägeln schwenkten. Kamerateams, die im Angesicht der wieder aufgeflammten Becker-Liebe vergaßen, welcher Designer als nächster präsentiert, aufgeregt plappernde Massen, die den Eindruck erweckten, etwas Welt veränderndes stünde bevor. Das alles fügt sich nicht in eine Welt, die zwar verschrien ist für ihre Oberflächlichkeit und den schnellen Wechsel, die im Kern aber auf feinem Handwerk, einem hohen Empfinden für Ästhetik und harter Arbeit beruht. Im Zirkus der nach medialer Aufmerksamkeit lechzenden Menschen fehlte dieses mal nur die entrüstete Damenfraktion der Politik, die sich um die mageren Mädchen in den Designerroben und ihre Agenda setzende Wirkung auf die jungen Frauen der Nation sorgte, und per Kodex oder Gesetz etwas aus der Welt schaffen möchte, dass tatsächlich nur ein magerer Grund für die Epidemie der Essstörungen ist. Dass Ulla Schmidt und Ursula von der Leyen diese Äußerungen im Sommer trafen, aber nicht zu dieser Mode-Woche, liegt wohl daran, dass in der warmen Jahreszeit das Loch in Politik und Medien klafft, dass mit dieser Scheinpolitik gefüllt werden möchte. Ende Januar sahen die Ministerinnen glücklicherweise andere Brennpunkte, die sie beackern wollten.

Der Fashionweek fiel nun aber auf die Füße, dass es zu viele Medienvertreter gab, die in ihr eine Story witterten, und zu viele Medienhäuser, die irgendeinen Journalisten dafür abstellten, dort irgendeine Geschichte aufzutreiben. Da aber die dafür ausgebildeten Journalisten meist in Medien publizieren, die nicht tagesaktuell erscheinen, und Tageszeitungen und Fernsehsender aus ihren Angestellten meist diejenige auswählen, die jung und hübsch ist sowie ein paar teure Schuhe im Schrank hat, wird die Berichterstattung über die Fashionweek ihren Inhalten nicht gerecht und erzeugt wiederum das Bild der Modebranche in der Öffentlichkeit, das als Wahrheit wahrgenommen wird. Es glitzert, es prunkt, die Prominenz tagt. Die Branche ist oberflächlich, Geld ist kein Thema, alle haben sich lieb. Vieles ist neu, alles ist schön, wir haben Spaß. Die Unverzichtbarkeit des Spaßes statuierten die Journalisten gerne: Die Autorin Katharina Höller setzte dies in ihrem Artikel für die Süddeutsche Zeitung sogar als Schlusspunkt:

"Dass sie [Melissa Drier] Recht hat, wenn sie sagt: "Mode muss Spass machen" bewies Bernhard Willhelm in seiner Darbietung sehr anschaulich. Ausnahmslos alle Besucher haben sich amüsiert, haben mit seiner Mode gespielt und sich ganz naiv auf die Fantasie des Designers eingelassen. Man kann die Deutschen also erziehen. Also: Bitte in Zukunft nicht mehr so bemüht und verkrampft. Die Berliner Modewoche muss Spaß machen."

Wie schade, dass sie ein paar Absätze zuvor einige Designer für ihre Entwürfe so zerrissen hatte, dass das Lesevergnügen und Laune dieser mit ihrem Text vermutlich geschmälert wurde. Mode darf folglich nur so lange Spaß machen, wie Kollektionen und Inszenierungen massentauglich Freude wecken. Ich freue mich auf die ersten Artikel, die mit den Sätzen schließen „Die Automobilmesse muss Spaß machen.“, „Die Bundestagswahl muss Spaß machen“ und ja, auch „die Finanzkrise muss Spaß machen“, und um uns an die guten Tage zu erinnern, trinken wir mit Michalsky in der Zionskirche Champagner. Die schönen und von Bernhard Wilhelm körperbetont bekleideten Männer hatten scheinbar Frau Höllers Ausflug zur Fashionweek in letzter Minute gerettet, bezeichnete sie Berlin im Vergleich zu anderen Modestädten gleich im einleitenden Absatz als „Provinzkaff“ und ärgerte sich über das modische Verständnis der Deutschen, zu denen sie sich vermutlich selbst auch zählt: „Und deutsche Konsumenten beweisen kein glückliches Händchen für Stil: Sie sind entweder bieder oder tragen zu dick auf.“

In Berlin wurde dick aufgetragen, dies aber vor allem von den Sponsoren. Vom Bebelplatz aus kreisten sogar in der Eiseskälte Fahrer auf Mofas über Unter den Linden und die Friedrichstraße, große Werbeplakate für den unterstützenden Kosmetikhersteller an ihr Gefährt montiert. Während ein Sponsoring von einer Kosmetikfirma oder auch Sekt nicht allzu abwegig erscheint, mag das starke modische Engagement des Bierherstellers Beck’s zunächst überraschen. Alkoholproduzenten haben es nicht einfach. Corporate Social Responsibility-Konzepte sind für sie schwierig anwendbar, Sportsponsoring ebenso heikel, die Tropen haben bereits einen Geldgeber gefunden. Marketingchef und die ihm sein neues Engagement unterjubelnde Agentur freuen sich folglich um so mehr, mit etwas assoziiert zu werden, was vielleicht kein besser Zweck ist, als sozial Benachteiligte zu unterstützen, dafür aber so hip und so cool wie die junge Szene von Werbetreibenden eingestuft wird, und das Zielpublikum des Produkt geradewegs erreicht. Den Nachwuchswettbewerb Beck’s Fashion Experience gibt es bereits seit 2004. Dank der sachverständigen Jury waren unter den teilnehmenden Designern stets Talente, die sich über ihre Präsentation bei diesem Event hinaus einen Namen gemacht haben. Als Modeevent versagt die eigentliche Modenschau hingegen kläglich. Ein völlig überfüllter Veranstaltungsort, in dem sich zwei Drittel der Besucher lediglich einfinden, weil sie ein kostenloses Besäufnis planen, war in diesem Jahr Schauplatz für sieben außerordentlich begabte Nachwuchsdesigner. In einem stark verrauchten Saal durften diese ihre Entwürfe einem szenigen Berliner Stehpublikum vorführen, das nach Ende des modischen Häppchens um einige hundert partywillige Nachtschwärmer ergänzt wurde. An diesem Abend ging es um Bier und Branding garniert mit ein wenig Augenschmaus für die wenigen Kenner. Medienresonanzanalysen zur Fashionweek laufen in vielen Presseabteilungen vermutlich mit festem Blick auf die Häufigkeit der Erwähnung des eigenen Markennamen; was sonst könnte zählen? Ergänzende Gedanken zum Beck's Event hält das taz-Blog Monarchie & Alltag bereit.

Die Fashionweek war ein voller Erfolg. Noch größer, noch schöner, noch vielversprechender als ihre Vorgängerin. Darf eine offizielle Abschlusspresseinformation etwas anderes sagen?
Der Fashionweek in Berlin droht nicht der Aufstieg im internationalen Vergleich, ihr droht ein Untergang unter den Schleiern der großzügig spendenden Sponsoren, die als Gegenleistung lediglich das Verdrängen eines Ereignisses mit ursprünglich größerem Anspruch hinter Logos und geliftete Gesichter verlangen, die der Firmenchef um sich scharen möchte. Ob Schauspielerinnen, die möglicherweise einmal ein Kleid, das sie nicht kaufen sondern vom Designer bekommen, zu einer Filmpremiere tragen, für ein Modeevent unverzichtbar sind? Ob es Gründe gab, oder der Willkür erlag, dass das schöne Bobbele seine neue alte Liebe im Modezirkus zur Schau tragen musste. Ist diese folglich wieder nur für eine Saison en vouge, bevor ein nur in Nuancen verschiedenes Accessoire seine Seite für den Sommer schmücken wird?
Mode und Designer brauchen Investoren, das ist hier nicht die Frage. Doch wenn man sich um die Emanzipation der Kreativen von der Vereinnahmung ihrer Geldgeber mehr Sorgen machen muss, als um den Fortschritt der Gleichberechtigung von Frauen in der Wirtschaft, kann der Branche keine positive Entwicklung bescheinigt werden. Sie entwickelt sich zum Werbeträger, aber nicht zum Kulturgut. Und das unter dem Zutun der Medien. Diese benutzen ebenfalls die Mode als Werbefläche: Für ihre Schauspieler, ihre Sternchen und Soaps, für die sich anbahnende Romanze oder Scheidung, für den schillernden Widerspruch zur in den Nachrichten folgenden Katastrophenmeldung, für Advertorials, kleine Gefallen und Quoten. Neues, Hintergründe, Portraits von Künstlern findet man nicht. So übertrieben geschminkt und desaströs angezogen wie so manche Journalistin ihr Privatvergnügen im Zelt am Bebelplatz und in geheimen Off Locations zelebrierte, so blass, so nichtig sind die Worte, die sie für spätere Beobachter hinterließ. Worte, die auch in Paris oder New York einen Leser hätten finden können.

Designstudenten werden über die Mode dieser Tage nur anhand von Bildern lernen können. Aber so wird ein wunderschönes Kleid auch in Jahren noch als exzellenter Entwurf gelten, und Boris Becker als erfolgreicher Tennisprofi. Das Blitzlichtgewitter in der ersten Reihe am Laufsteg wird niemand erinnern und die eigentlich Bedeutung von Design, Sport und Schauspiel zurechtgerückt. Traurig ist dennoch, dass die großen und kleinen Momente der letzten Tage journalistisch verschenkt wurden, und die stummen Zeugen der Laufstege miteinander in Kleidersäcken und Schränken darüber sinnieren werden, aus welchem Grund, für was und für wen sie die Nähmaschine ihres Schöpfers geküsst haben.



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9 Comments:
Blogger Mary said...
wunderbar und wahr, vielen dank :)

Anonymous suzy said...
Der Text ist ganz schön geschrieben, aber so ist es nun mal bei einer Fashionweek: Fragen der Wertigkeit von Journalismus können sicher auch in Paris oder NewYork nicht zwangsläufig mit besserem Ergebnis beantwortet werden. Es ist ja allgemeinhin so, dass nicht nur die KLeider im Vordergrund stehen, sondern auch die Personen die sie tragen, bzw. deren Persönlichkeit (oder nach was auch immer man auf der Suche ist) sie ausdrücken möchten.

Sicher kann man kritisieren, dass viele Kleider nur getragen werden,weil sie einer Schneiderei mit großem Namen entstiegen sind, ebenso wie viele Fotos in Zeitschriften und im Internet nur erscheinen weil sie eine Person mit ebenso (mehr oder weniger) wichtigem Namen zeigen.
Die Aufgabe jedoch, die feine Unterscheidung zwischen schön und bekannt zu treffen, sollte doch man selbst zu treffen vermögen: Massenmedien (und seien es blogs oder auch internetpräsenzen die sich individuell nennnen) sind und können nicht dazu gemacht sein, Individualität oder Stil (so wabbernd der Begriff auch sein mag) aufzuzeigen.

In einer Zeit, in der es als wichtig gilt, von Streetstyle-Fotografen abgelichtet zu werden (und das in JEDER Metropole, auch Paris, NY, Copenhagn usw.) kann man ja wohl schlecht von einer Entwicklung des Modejournalismus (auch auf dieser kleinen Ebene) sprechen: In diesem Sinne sind auch Internationale Print- oder auch Internetpräsenzen (denn welche von Ihnen hat keine "Streetstyle-Rubrik" mehr?)immer der Mode abtrünnig so lange sie sich etwas anderem als der Dokumentation widmen.

Zu guter Letzt ist natürlich der Amüsierfaktor einer der wenigen der Modeveranstaltungen nicht abgesprochen werden sollte: 'Sich nicht ernst zu nehmen' ist doch das viel propagierte Credo Berlins: etwas anderes will und kann diese Stadt heute nicht tragen!

Anonymous suzy said...
...etwas anderes will und kann diese Stadt vielleicht heute nicht tragen!

Blogger frollein tessa said...
Liebe Suzy, vielen Dank für deinen differenzierten Kommentar, denn auch das ist eine Sichtweise, die durchaus berechtigt ist.
Ich glaube dennoch, dass auch der Journalismus der Tageszeitungen in der Lage sein sollte Mode adäquat zu kommentieren, denn das schafft er auch für komplexe politische und wirtschaftliche Sachverhalte. Modeblogs leisten hier einen wichtigen Beitrag. Dass sie allerdings gerade erst dabei sind, sich zu wertvollen Quellen zu entwickeln, muss ihnen zu gestanden werden. Die Blogosphäre ist in Deutschland tatsächlich noch in den Kinderschuhen. Sie ist aber geeignet um Nischen, und dazu wird sich die Mode im Feld des Journalismus zählen, zu vertreten und näher zu beleuchten.

Liebe Grüße
Tessa

Anonymous EarlMobile said...
Zunächst möchte ich dich für den tollen Artikel loben, der ein differenziertes Bild von der diesjährigen Fashionweek entwirft!

Ich muss gestehen, dass mein Modeverständnis - oder besser mein "Modegeist" - eher rudimentär ausgebildet ist, will heißen, dass ich mit der typischen Laufstegmode nichts anfangen kann, dafür aber vielleicht etwas mehr Gespür für alltagstaugliche Mode besitze (zumindest vermute ich das, bisher hat mir noch nie jemand etwas anderes gesagt... :P). In diesem Sinne ähnle ich womöglich den Besuchern der Fashion Week, so wie du sie beschrieben hast: Der Sinn für die Kunst hinter "Fashion" geht beim Publikum mehr und mehr abhanden, was die Folge von zwei möglichen Gründen sein könnte: Entweder entfernt sich die Mode (oder vielleicht sogar "haute couture"?) vom Rezipienten und Konsumenten - das würde den selbigen nicht unbedingt auffallen; oder der durchschnittliche Fashion-Week-Besucher hat sich zu einer Person entwickelt, die das Festival mehr als Event denn als Mode-Präsentation versteht, für den das Publikum vielleicht sogar wichtiger ist als die Show.
Zumindest die Bestätigung der zweiten These scheint in deinem Artikel durchzudringen.
In beiden Fällen wäre aber fraglich, wie es dazu gekommen sein könnte.

Zudem ist mir beim täglichen Lesen zweier Berliner Lokalblätter auch kein einziger Artikel aufgefallen, der die Fashion-Week der gezeigten Kleider wegen ansprach. Offensichtlich fanden die Autoren für die Mode-Woche nur dann Worte, wenn es mit dem nächsten Stelldichein x-beliebiger Prominenz zu tun hatte. Das wirft wiederum die Frage auf, ob womöglich das allgemeine Interesse an der Mode gesunken ist...

Wie auch immer: Es lässt sich nicht leugnen, dass die Fashion-Week kaum öffentliche Resonanz bekommen hat, zumindest soweit ich das beurteilen kann. Woran das liegt, ist aber eine andere Geschichte, eine, die sich meinem Verständnis wahrscheinlich entzieht - ich wäre dir jedenfalls sehr dankbar, wenn du meine Gedanken kritisch hinterfragen und kommentieren könntest, denn das Thema ist auf jeden Fall ein sehr interessantes, auch wenn ich persönlich nicht viel Ahnung davon habe!

Anonymous c.r. said...
Die deutsche Fashion Week ist anders als in Italien oder Frankreich kein Event der die Öffentlichkeit in Sachen trend oder Witschaft interessiert. Meine Italienische Omi auf ihrem toskanischen Bauernhof weiß jedes Jahr was sich Dolce und konsorten wiedermal ausgedacht haben nicht weil sie über alle Maßen was mit Mode zu tun hat sondern einfach weil die trends die die italienischen Designer jede Saison auf den Markt bringen auch teil der Lebenskultur darstellen. Designermode ist für den deutschen Konsumenten in erster Linie uninteressant. Sie identifizieren sich nicht mit ihren Designer und genauso beschäftigen sie sich mit ihrer Modeindustrie. Deswegen arbeiten auch deutsche bekannte Designer liebe im Ausland, wie zum Beispiel Bernhard Wilhelm.

WIe auch immer. Ich finde den Artikel auch sehr gut und ich freu mich immer wieder über jeden langen Text vion frollein Tessa.

Anonymous Frank said...
bei dem text trau ich mich fast nicht hier zu kommentieren, aus angst wie ein bauer zu klingen ;)
wenn ich das so lese bin ich fast froh, normalen medienberichten nicht zu folgen. ehrlich gesagt würde ich auch nie auf die idee kommen, ein normales mainstream medium nach mode zu befragen. dafür haben wir doch unsere blogs und unsere hochglanzmagazine ;)
aber dass wir auf der fashion week lauter komische leute haben, ist mir auch aufgefallen. liegt das an berlin? ich hab da keinen vergleich. viel schlimmer als die aufgetakelten tussis und c-promis fand ich jedoch die mercedes benz mitarbeiter (muttis), die mit einem zusammen am akkreditierungsschalter anstanden und sich darüber unterhielten, dass sie ja noch nie eine modenschau gesehen hätten und das aber schon immer mal machen wollten, obwohl ihre outfits auf etwas anderes schließen ließen. oder eine andere dame, die mich auf der kilian kerner show ansprach, ob ich denn auch von mercedes sei, denn die goodie bags seien ja nur für mercedes mitarbeiter (deswegen lagen sie wahrscheinlich auch auf jedem Sitz)... mein lieblings-hass-promi, um auf diese gruppe nochmal zurückzuschwenken, ist ja udo walzt (ja, walzt!) das tat er nämlich auf der kretschmer show and die fotografen stürzten sich auf ihn als wäre er jesus. da tut es mir auch um die kleider leid, die sich das rampenlicht mit so jemandem teilen müssen.
aber was hilft das jammern. perfekt wird so eine veranstaltung sicherlich nie.

Blogger frollein tessa said...
Danke für die vielen, ausführlichen Kommentare. Ich antworte noch ausführlich, stecke aber gerade mitten im Freitag-Launch. Beste Grüße, Tessa

Anonymous kola said...
sehr schöner text - und ja: einer der so oder auch inhaltlich ganz anders in keiner tageszeitung und (bisher) meines wissens nach in keinem deutschen magazin zu finden war.

zweierlei: um den deutschen modejournalismus ist es derzeit grundsätzlich recht bescheiden bestellt. in der faz alfons kaiser oder anke schipp, in der sz womöglich frau casati, dann, irgendwo zwischen vf und faz frau harms - so oder so ähnlich schaut
das aus in den tageszeitungen, denn auch die anderen blätter bieten da nicht mehr (lese die welt nicht häufig genug um dort dann vielleicht doch noch auf einen text von adriano zu stoßen, der etwas mehr versprechen könnte..).

das erste übel - und darauf wollte ich hinaus - ist die geringfügige qualität der schreiberlinge - das produzierte langweilt, ist niemals aktuell, es fehlt an sachverstand und - noch entscheidender - an ideen und an blicke für neues oder aber altes mit 'prägnanz'.

des übels zweiter vorname: magazin, erscheinungszeitraum wöchentlich. es gibt schlichtweg kein wochenblatt, das modisch auch nur irgendwie den geringsten reiz aussenden würde. szmag ist grau und zwar schon lange, zeitmag hat sich zwar gerade insgesamt mit der berlinale-ausgabe mal wieder ein wenig selbst empor gezerrt, ist aber modisch vollkommen außen vor, stern oder vanityfair sind da leider auch nicht zu nennen, vor allem bei der letztgenannten ist das recht schade.

Es bleiben also lediglich die Monatshefte oder so etwas wie 032c, die immer wieder mit schönen geschichten und guten texten aufwarten können - allerdings am ende viel zu unregelmäßig erscheinen um debattenfähig zu sein, sondern nur kleine ausrufezeihen setzen können, die dann beim erscheinen aber im bezug auf ein ereignis wie die fashion week auf einen leser stoßen, dem dieses ereignis schon viel zu fern ist oder aber grundsätzlich einzig von einem publikum rezipiert werden, dass dieser meinung bereits dieser sowieso schon ist.

am ende ist meiner meinung nach doch so, dass im netz zwar nicht immer die größte expertise herumhantiert, die themenauswahl aber weitaus höherem niveau entspricht als in jedem anderen regelmäßig erscheinenden medium (denn theoretisch, so laut sollte man davon gar nicht sprechen, weil es mittlerweile vollkommen absurd erscheint, könnte ja auch das fernsehen die absurdität, verkrampfte oberflächlichkeit und missgelenktheit einer solchen veranstaltung herausstellen und gleichzeit modejournalismus betreiben, der beiden teilen des wortes zu ehren gereicht).

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