Es ist immer auch die Schuld des Publikums, dass wir Bilder wie das von Obama nicht haben. Vielleicht liegt darin aber etwas Tröstliches. In all den Kurzarmhemden, randlosen Brillen, schiefen Lächelmündern, eckigen Gesten und zu groß geschnittenen Anzügen unserer Politiker. Natürlich wäre es schön, wenn es von Frank-Walter Steinmeier auch so großartige Fotos gäbe, zumal er mindestens so viele Berater hat wie Obama. Und natürlich ist es schade, dass Steinmeier nicht Obama ist und so gar nichts von ihm hat. Schlimmer wäre aber, wenn er es versuchen würde. Mit Anne Will tanzen oder so. Beim Sommerinterview nach Wespen schlagen. Gewagte Bilder produzieren. Jazz auf Fotos.

Wenn unsere Politiker unkonventionell sein wollen, kommt Claudia Roth heraus.

Deutscher Expressionismus.

(Peter Richter, FAS vom 06.09.2009: Obama sitzt)


Es mag für einige Menschen bedrohlich erscheinen, wenn Frauen in der Farbwahl ihrer Frisur und Leuchtkraft ihrer Klamotte die von deutscher Tristesse gewünschte Norm sprengen. Einen ansonsten guten Text aber damit zu ruinieren, dass der einzige Kopf, der Journalisten einfällt, wenn sie über die Paradiesvögel der Politik schreiben, stets Claudia Roth ist, zeugt dann doch davon, dass sowohl Volksvertreter als auch die Hofberichterstattung in einer konservativen Suppe köcheln. Die einen legen das asphaltgrau und den Schlips nicht ab, die anderen lehrt rotes Haar und die Liebe zur Farbgewalt das Fürchten. Claudia Roth kann vermutlich darüber lachen, was da ein jüngerer Mann über sie schreibt. Oder videobloggt.
Die freie Assoziation zu Peter Richters Bekleidungsstil gibt es hingegen nur in meinem Kopf. Eigentlich setze ich mich auch nur mit Männern auseinander, sofern sie einen ernstzunehmenden Bartwuchs aufweisen.



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7 Comments:
Blogger Christian Soeder said...
Was an Claudia Roth abschreckend wirkt, sind ihre öffentlichen Meinungsäußerungen. Das hat mit ihren Haaren und ihrer Kleidung nichts zu tun.

Blogger teresa m. buecker said...
Ich halte einfach mal dagegen, dass Frau Roth, hätte sie sich an das Graue-Maus-Dasein der meisten Politiker angepasst, wohl anders rezipiert werden würde. Misst man "unkonventionell" nämlich an Redebeiträgen, sollten dem Autor etliche andere Politker und Politikerinnen einfallen.

Blogger Christian Soeder said...
Mh, mir fällt auf Anhieb kein anderer Politiker und keine Politikerin ein, die derart hysterisch sind und in Weinkrämpfe verfallen.

Als Bartträger fühle ich mich hier übrigens ausgesprochen wohl. ;)

Blogger eva.ricarda said...
dämlich, wie claudia roth aufgrund ihres äußeren von einem milchgesichtigen autor mit ironischem herablächeln zwischen zeilen bedacht wird. völlig egal finde ich in dem zusammenhang, ob man frau roth persönlich schätzt oder ihren aussagen politisch nahe steht. sichtbar steht sie nämlich zu sich selbst, das sollte genügen.
du hast insofern vollkommen recht - ohne die letzte zeile wäre ein guter text bei rumgekommen.
ich glaube, auch, dass es mehr politikerInnen geben sollte, die ab und an wagen, vom grauen klamottenkonsens abzuweichen. dies umsetzend gibt es keine negativbeispiele.

Anonymous 166mhz said...
ich finde frau roth in jedem fall weitaus authentischer als so manch andere(n) volksverterter/in.

insofern: die autorin hat mindestens recht.

Anonymous s. said...
- off topic -

wo habt ihr denn das hübsche foto aufgetrieben? ließe sich evt. herausfinden, was das für ein toller mantel ist?

danke!

Blogger teresa m. buecker said...
Das Foto stammt von einem meiner Lieblingsfotografen Ali Bosworth. Über den Klick gelangst Du zu seinem Flickr-Account ... über den Mantel kann ich leider nichts sagen, da es kein Modefoto ist.

beste Grüße
Tessa

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