Gepudert und im kalten Rampenlicht in den Schein gerückt, sollen Brüste ein Talent ersetzen, das gerade von Mittelmaß auf einem Tiefpunkt angekommen ist und nun wie von Hand eines Zauberbras in eine schönere Form gegossen werden soll. Irgendwo zwischen dem Anruf und der zitternden Zusage hatte der zarte Geist schon vergessen, dass Brüste noch nie den Pfad der ersehnten Karriere weiter pflastern konnten, den die Aussicht auf den vergänglichen erotischen Ruhm heller erscheinen ließ. Titten brachen noch nie jemandem das Herz, vielleicht kurzweilig den Verstand. Eine kurze Irritation wird nur selten zu einer Kaufentscheidung, noch viel unwahrscheinlicher zu einer langfristigen Bindung. Zieht sich also die Sängerin einer erfolglosen Popband zur Veröffentlichung des neuen Albums für eine Männerzeitschrift aus, ist sie immerhin klug genug zu wissen, dass Texte, Musik und Witz des Werkes weniger Wert sein werden als die Entlohnung für retuschierte Gymnastik am Strand einer Ferieninsel. Kein verkauftes Album mehr, sitzen gelassen mit Fotos, die billig sind und trostlos begehrlich. Stets erschrickt man zuerst vor den öligen Kurven und dann vor dem türkisblauen Wasser, während ein künstlerisches Foto zunächst stets durch Qualität und Kanten ins Auge springt, bevor der Akt zu sprechen beginnt.

Modefotos hingegen wirken umso eleganter und tiefgründiger, desto weniger Kleidung die Inszenierung benötigt. Vielleicht, weil so viele Stoffkonstruktionen erdacht wurden von Köpfen, die den weiblichen Körper nur schätzen können wenn er um seine Existenzgrundlage beraubt wurde, ihn nie reizvoll sondern nur als Grundgerüst für eine Plastik aus Webstoff befanden und wir Geschneidertes immer dann als erregend empfinden, wenn es die Kurven des Körpers betont und überzeichnet. Die Erregung schafft im Playboy dann eine linkisch eingesetzte Bildbearbeitung, die das Püppchen auf den ausgelutscht verlockenden Stereotyp eines Spindschmucks schneidert, der mit individueller Schönheit nichts mehr zu tun hat. Darum geht es auch nie, wenn der Playboy anruft. Am anderen Hörer sitzt kein Verehrer, der seiner Muse ein Denkmal setzen will, sondern der Verkünder einer Entscheidung, die auf ökonomischem Kalkül beruht. Eine Formel, die aus einer D-Prominenz, dem natürlich hübschen Körper einer Frau Anfang 20 und deren Parkplatz in der Tiefgarage ihrer Laufbahn eine Hochrechnung für Verkaufszahlen der glänzenden Blätter erstellt.

Irgendjemand haucht dem Unglücksraben den Floh ins Ohr, ein selbstbewusster Umgang mit dem entblätterten Körper sei unabhängig, mutig und Frau. So ein irgendjemand, der es für gerechtfertigt hält, dass Frauen in gleichen Positionen weniger verdienen, jemand der die Leistung das Selbst so wenig gern zu haben, dass man den Körper her gibt für ein paar Euro pro Leser, mit mehr monetärer Wertschätzung entlohnt als 500 Seiten kluge Gedanken oder ein Jahr Aufopferung im Altenheim. Dann glaubst du ihm sogar, dass wenn keiner deiner Partner es je geschafft hat, dass du die Liebe fühlst und deine Brüste als Dreingabe achtest, die dir aufmunternd zuzwinkern, dies ein paar tausend Leser vollbringen, die dich bei ihrem nächsten Umzug ins Altpapier sortieren, und schon ein Jahr zuvor vergessen hatten.





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3 Comments:
Anonymous Marcel said...
Ich liebe Brüste. Kommentar des Jahres würde ich sagen.

Blogger teresa m. buecker said...
ich liebe meine brüste auch. manchmal vielleicht mehr als den zugehörigen rest. was die frage an dich zurückgibt? was ist mit den zugehörigen frauen?

Blogger ann.charlotte said...
ob liebe oder nicht hängt doch nicht von körperteilen ab... zumindest doch nicht maßgeblich.

meine brüste sagen nichts über mich..

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