Modefotografie, Modejournalismus, Frauenzeitschriften, Models und Stil in der DDR - darüber spricht Sibylle Bergmann, die ihre Fotografenlaufbahn in 1967 in der DDR begann, im Interview beim Freitag. Für mich ist das ein gänzliches neues Terrain und äußerst interessant. Denn wie realisiert man Shootings, wenn der Zugriff auf Kleidung begrenzt ist? Was prägt den individuellen Stil? So war in Bergemanns Augen die DDR nicht schick, aber kreativ.

"Worum ging es in einem Frauenmagazin wie Sibylle außer Mode?
Sie hieß ja „Zeitschrift für Mode und Kultur“ und in ihrer großen Zeit fanden sich auch viele kulturelle Stücke. Natürlich gab es aber auch Kosmetiktipps oder Frisuren, aber eigentlich ging es darum, Frauen zu zeigen, was zur Zeit angesagt ist. Wir haben uns immer mit Händen und Füßen gegen den Vergleich mit der Brigitte gewehrt, so hausbacken waren wir lange nicht. Unsere Vorbilder waren Marie Claire und Elle.

Klingt nach einer bunten Seite der DDR?
Ich fand die DDR auch nicht grau. Vor allem innen drin nicht."

Das vollständige Interview mit der Gründerin der Agentur Ostkreuz findet ihr hier. Ebenfalls widmete die faz Sibylle Bergemann vor kurzem den Artikel Mode ohne Filter.




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Ein neues Jahr, noch ein neues Projekt. Auch auf Papier verewige ich von Zeit zu Zeit Texte, denn wie ihr aus diesem Blog kennt, schreibe ich meistens viel Längeres, als das Netz verträgt. Das Blank Magazin geht heute mit seiner ersten Ausgabe an den Kiosk und darin steckt auch viel Herzblut, viele lange Nächte, viel Liebe von mir. Dies ist kein Berlin-Ding. Wir waren selbst erstaunt, als wir das Heft in den Händen hatten und feststellen konnten, wie politisch es nun geworden ist, wie kritisch, und wie wenig kommerziell. Disko und Diskurs haben sich auf diesen Seiten tatsächlich verliebt.

Ein neues Magazin? Jetzt? Ja. Wo anderen die Luft ausgeht, fängt für uns das Leben an. Monatlich wird es nun unter dem Motto „Gesellschaft, Diskurs, Disko“ Relevantes, Abseitiges und Abgehobenes aus der jungen Szene, der Hochkultur, Politik und Alltag geben. Eine Annäherung an die gesellschaftlichen Wirren, die Visionen. Ein subjektiver Ansatz, der uns gefällt. Haarscharf am Zeitgeist vorbei und immer öfter einen Schritt schneller.

Titel der ersten Ausgabe, in Namen der Krise: "Wir glauben an das Gute."


Unter anderem mit den Themen

- Seid dann mal weg - Abseits vom
Jakobsweg: Die Pilgerstätten unserer Zeit

- Die Grünen 2.0 - Ein Interview mit dem grünen Nachwuchspolitiker Malte Spitz

- Kein Wohlfühlfaktor im weiblichen
Wahlkampf - Gedanken zum Superwahljahr 2009

- Guter Bayer, böser Bayer - Der Liedermacher Hans Söllner über Repressalien und das bevorstehende Ende der Verhältnisse

- Und ewig rauschen die Wälder - Jan Off politisiert. Erwärmendes aus der Hauptstadt der Griechen

- Roman Libbertz streift durch die Nacht mit „Goodbye Lemon“-Autor Adam Davies

- Suhrkamp-Autorin Julia Zange im Gespräch über imaginäre Kinder und ihr Debüt „Die Anstalt der besseren Mädchen“

- Indierock unter der
Armutsgrenze - Killed By 9V Batteries sind die spannendste Band Österreichs


Dies alles und mehr ab heute in gut sortierten Zeitschriftenläden und im Bahnhofsbuchhandel. Fragen, Ideen, Anregungen sind in den Comments mehr als willkommen. Weiter geht es nur, wenn wir ein bißchen streiten.


www.blank-magazin.de





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Tobias Rapp liest aus seinem Buch "Lost and Sound"

Das Berghain in einer Clubkritik zu fassen, ist hohe Kunst. Zu zahlreich sind die Anlässe, die Projektionen, zu facettenreich die Motivation, die heimlichen Wünsche, das Erleben in dem Berliner Club, von dem keine einheitliche Wahrnehmung besteht: Ist er Sündenpfuhl, eine Kathedrale der Erleuchtung, eine Spielwiese der Unentschiedenen, nicht mehr als ein Techno-Club? Tobias Rapp hat in seinem neu erschienenen Buch "Lost and Sound" eine Annäherung an eine Nacht in Berghain und Panorama Bar gewagt und seine Beobachtungen und Interpretationen als Vorabdruck der Junge World zur Verfügung gestellt. Der Teaser spricht zwar von einem "Samstag im Tempel des Techno", doch die Länge, die Differenziertheit und die Vielzahl der Bilder, die Tobias Rapp in Sprache verewigt hat, verraten, dass er das Berghain kennt und viele Male mehr, als diesen exemplarisch geschilderten Samstag, dort Gast und Nachtschwärmer war. Diese Besuche, Erzählungen von Freunden, Begegnungen mit Fremden, hat er zu einer Geschichte verwoben, die neben anderen in seinem Buch die Berliner Clubkultur in Worten festhält. Auch diese Art von Kultur, für manchen Betrachter so weit abseits der Hochkultur, verlangt Expertise, verlangt das vollständige Eintauchen in die Sache - und so operiert Tobias Rapp unter dem Stempel des Popredakteurs, heute für den Spiegel, als Kenner der Kultur der Clubs, der Nächte und ihrer Protagonisten. Seine literarische Aufarbeitung des nächtlichen Treibens der Hauptstadt stellt der Autor heute und morgen in Berlin in drei Lesungen vor.

Eine Lesung findet tatsächlich in einem der Berliner Clubs statt, der, sollte er die durchschnittliche Lebensdauer eines jungen Berliner Szene Clubs überleben, auch einmal eine Geschichte wert sein könnte. Auch unter dem oberflächlichen Aufspielen von Türstehern, denen ihre eigene Hipness wichtiger als die Harmonie im Club, hinter viel New Rave und Hässlichkeit, zwischen blutjungen Partygängern und ergrauten, tanzenden Akademikern, verstecken sich Wahrheiten, Fingerzeige und wertvolle Erinnerungen. Freitagabend liest Tobias Rapp im Picknick.


Lesungen mit Tobias Rapp und "Lost and Sound"

26.02.2009 19:30 Uhr
Monarch Bar
Skalitzer Str. 134
10999 Berlin

27.02.2009 20:30 Uhr
Buchhandlung Pro qm
Almstadtstr. 48-50
10119 Berlin

27.02.2009 23:30 Uhr
Picknick Club
Dorotheenstrasse 90
10117 Berlin


Tipps zum Weiterlesen:

Ein Spaziergang mit Tobias Rapp durch Berlin auf Zündfunk

Sag deine Wahrheit, Baby. Tobias Rapp über Pornopop in der taz.

Nie wieder nach Hause Vorabdruck aus "Lost and Sound" in der Jungle World.


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fotocredit: facehunter

Im aktuellen Freitag ist eine Karikatur, auf der eine Frau sich über den Kinderwagen der anderen beugt. Sie: "Wer ist denn der Vater?" Daraufhin die Mutter: "Frau von der Leyen".
Scheinbar hatte ich eine blasse Vorahnung, als ich letzte Woche über den Wohlfühlfaktor im weiblichen Wahlkampf schrieb, zu dem Frau von der Leyen ähnlich wenig beiträgt wie andere Politikerinnen der Bundesregierung. Anlässlich der Präsentation ihres vermeintlichen Erfolges bekommt unsere Bundesfamilienministerin nun von allen Seiten Kritik. Hier die Links zu den wichtigsten Texten, die verdeutlichen sollten, dass obgleich Ursula von der Leyen engagiert scheinen mag, sie sich gerne mit fadenscheinigen Federn schmückt und über die Brutplanung der Nation und das in Form biegen der Väter die Frauenpolitik vergessen hat.

Zuächst schrieb Wolfgang Michal bei Carta “Babyboom” & “Neue Väter”: Die statistischen Tricks der Ursula von der Leyen eine diffizile Analyse zu den Zahlen, die die neu entbrannte Vermehrungswut der deutschen aus der Traumwelt der Ministerin wieder in der Realität verortet.

Dann waren die Nachdenkseiten so vorbildlich Frau von der Leyens wahlkämpferichen Auftritt in der Bild am Sonntag für den kritischen Leser noch einmal neu aufzurollen. Dort hatte die Ministerin nämlich verlauten lassen: "Wenn die Wirtschaft wankt, hat die Familie Konjunktur."
Wolfgang Liebs Kommentar zu dieser "Wahrnehmungsstörung aufgrund von Selbstbeweihräucherung" gibt es hier.

Ganz dringend ans Herz legen möchte ich euch den Artikel von Susanne Klingner, der am Montag in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist st. Zwar schwadronierte auf der Seite 2 der SZ ebenfalls über die "Rezepte mit erfreulichen Nebenwirkungen" und zum Thema 'aktive Väter' unter der Überschrift "Große Klappe und endlich was dahinter", doch der Text von Mädchenmannschafts-Autorin Susanne "Viel Make-up - Über die Verwechslung von Frauen- mit Familienpolitik" sollte all die Frauen, die dies ebenfalls denken und sich von der Bundesregierung wieder mehr Frauenpolitik anstatt der ständigen Appelle an die biologische Uhr, in ihrer Meinung bestärken. Denn "die Politik zögert, sie schreckt davor zurück, Frauen und Männern den gleichen Einfluss in Politik und Wirtschaft zuzugestehen. Vielleicht auch, weil sie dafür eine ernsthafte Debatte um Geschlechtergerechtigkeit führen müsste - und nicht nur feministisches Make-up auf ihre Familienpolitik pinseln." Den vollständigen Text findet ihr nach dem Klick.


Überrascht hat mich in dieser Woche Autor Daniel Kehlmann in seinem neuen Roman "Ruhm". Dort findet sich eine kurze Passage mit erstaunlicher Selbstreflektion aus der Sicht einer alten Dame. Auf Seite 57 fing ich an das Buch zu mögen, auch wenn danach nur wenige Highlights folgten:

"Um sich abzulenken, blickt sie in den goldgerahmten Wandspiegel. Sind das wirklich wir? Diese Hütchen, Krokotaschen und wunderlich geschminkten Gesichter, diese gezierten Handbewegungen und lächerlichen Kleider? Wie ist das passiert? Eben waren wir noch wie alle, wir wußten, wie man sich anzieht, wir hatte keine albernen Frisuren! Genau deshalb, denkt Rosalie, mag jeder diese soderbare Dedektivin, Miss Marple - weil sie das Gegenteil der Wirklichkeit verkörpert. Alte Frauen lösen keine Mordfälle."

Ob wir in 50 Jahren stylische, schrumplige Omis sind?


Zum Schluss noch ein Hinweis in eigener Sache. Ich habe in dieser Woche für den Freitag ein Interview mit Leyla Piedayesh, der Designerin hinter Lala Berlin, geführt. Über ihre Inspiration, die politische Symbolkraft des „Palästinenser-Tuches“ als modisches Accessoire und die gesellschaftliche Aussagekraft von Mode spricht sie an dieser Stelle.





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Kinder, es hätte so schön sein können. Und sie so zahlreich. Die Kinder.

Übermutter Ursula befand sich auf dem besten Wege die Legislaturperiode als Heilsbringerin der überalternden Gesellschaft zu beenden. Elterngeld, mehr Kitas, treu sorgende Väter auf großen Plakaten und weitere Kampagnen mit glucksenden, satten und süßen Kleinkindern. Kinder, so weit das Auge reicht. Das war die Vision. Die Zielsetzung einer Mutter von sieben Kindern, die in ihrer kommunikativen Vermittlung jungen Frauen nahe legte, ein Baby und besser ganz viele seien ihre Vaterlandspflicht. Die passenden Väter dazu gab es ja auf den Plakaten. Das Wickelvolontariat debütierte kurz als verbaler Spielball der Medien, zeigte aber gleichsam karikierend, dass eine ernsthafte Involvierung der Väter in Erziehung und ihre gleichberechtigte Freistellung vom Beruf eine realitätsferne Idee war, die besonders in Frau von der Leyens Schwesternpartei CSU eher mit einem höhnischen Lachen als einem mildes Lächeln bedacht wurde. Die familienfreundliche Babykampagne flankierte die Bundesfamilienministerin dann mit progressivem Einsatz für eine Werbung der FAZ. Sie versteckte sich hinter der Zeitung während sie in einem Meer von weißen, flauschigen Kaninchen saß.
Wie die Kaninchen, liebe Bürger, ich schau auch kurz weg, doch mehret euch. Das war die Vision.



Ob Frau von der Leyens Brutplanung am Ende des Tages die Kurven der Frauen und Geburtstatistiken signifikant beeinflusst hat, wird kaum zu sagen sein; zu zahlreich sind die intervenierenden Variablen, zu dünn ist das Konzept des Elterngeldes als Anreiz zur Familienplanung zu fungieren. Dabei werkelte das das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend so emsig am deutschen Kindersegen. So emsig, dass sich die Jugend Sido, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Sabine Bätzing und Herr Koch teilen durften, die Senioren als Best Ager von Werbeagenturen und als Pro Ager von Dove betüddelt wurden und Mädchen in Sachbuch und Prosa die Gleichstellung der Frauen und Emanzipation voranpeitschten. Die Arbeitsteilung funktionierte. Sie sollte theoretisch funktionieren. Denn wenn die Jugend erfüllt ist mit Tugend, die Omas und Opas die besseren Kitas sind und die Frauen von morgen die Männer von heute, segnet uns ein Babyboom. Das war die Vision. Dann kam die Krise.



Weder ist die Plakatierung mit aktiven Vätern noch das Vorleben der perfekten Großfamilie durch die Vermehrungsministerin selbst der Schlüssel zu einer kinderreichen Gesellschaft, noch wird das Schwächeln der Konjunktur als maßgeblicher Grund anzuführen sein, dass die Graphik der Geburtenentwicklung weiterhin einen traurigen Eindruck machen wird. Die beiden relevanten Einflussgrößen, Politik und Popkultur (als maßgeblicher feministischer Motor), haben das Frauen- und Familienbild sowie die tatsächliche Situation nicht in eine Richtung schubsen können, die den Familiengründungswillen fördert.

Politikerinnen, Feministinnen, Frauenrechtlerinnen und die dazwischenquatschenden Männer fördern zunächst willkürliche weibliche Stereotypen, die wiederum unter Frauen Neid, Konkurrenz und Feindschaft, aber wenig Gemeinschaft und Solidarität stiften. Frau von der Leyen will passionierte Mütter, gerne mit Beruf und Karriere, die gleichsam ihren Mann zum aktiven Vater erziehen; leidenschaftliche Mütter werden verachtet von Frauen, die unter der fixen Idee Karriere zu machen wie ein Mann vergessen, dass sie keiner sind und sich dennoch aufplustern wie ein Hahn, obwohl es anders ginge; Mütter konkurrieren auf dem Spielplatz mit teuren Kinderwägen, schönen Kindern und pädagogischem Halbwissen; hinter jeder Entscheidung, sei es die Kinderlosigkeit, sei es beruflicher Erfolg, sei es ein einzelner Sohn oder eine fünfköpfige Rasselbande, wird Unfreiwilligkeit, Unglück, Unfähigkeit oder das Abkommen von der eigentlichen Lebensplanung vermutet.

Politik und insbesondere Politikerinnen versagen in dieser Hinsicht die verschiedenen Facetten des Frauseins zu vermitteln und anzuerkennen. Besonders jungen Frauen fehlen innerhalb der politischen Landschaft Identifikationsfiguren. Was jungen Frauen durch den Kopf geht, wenn sie in Zeitung und den politischen Talk im Fernsehen schauen, wenn sie sehen, wer neuer Bundeswirtschaftsminister wird, das Ministerium als politisches Ressort, in dem Gleichstellung besser aufgehoben wäre als im dem für die glückliche Familie, illustriert vielleicht Christine Eichels Kommentar, den sie zur Erpressung von Susanne Klatten im Cicero schrieb:


"Es bedarf nicht allzu viel Fantasie, um sich vorzustellen, welchem Genre die Männer angehören, die eine Frau der Klatten-Liga bei Vorstandssitzungen, Societypartys und Golfturnieren trifft. Sie erlebt die öde Selbstgefälligkeit gestandener Herren, die sich mithilfe routinierter Beeindruckungsprosa in Bewunderung sonnen wollen. Ungefragt geben sie Anekoten aus dem allzu umfangreichen Repertoire ihrer Heldengeschichten zum besten. Frauen sind ihr Publikum, ihr Spiegel, ihre Claque."


Also gehen wir fremd. Und die "öde Selbstgefälligkeit" kann derart starke Ausstrahlungskraft haben, dass falls das Politische von Frauen nicht bereits abgestoßen bei Seite geschoben wurde, sie sich nicht ausschließlich thematisch orientieren, sondern auch dort politisch sammeln, wo Frauen sichtbar sind, mitentscheiden, und nicht als hübsche Dekoration und Alibi auf den billigen Plätzen drappiert wurden. Der Anteil der Frauen, der sich als emazipiert begreift, Unabhängigkeit und berufliches Fortkommen schätzt, steigt nachweislich gleichsam mit dem wachsenden Interesse an Politik und der aktiven Teilhabe daran.

Dass dies Spitzenkräften wie Franz Müntefering (SPD) erst kurz vor Wahlkampf einfällt und er schwammig formuliert: "Wir müssen auch darüber sprechen, warum relativ wenig Frauen in führenden Positionen sind. Ist es zum Beispiel sinnvoll, etwas zu tun, was in vielen Parteien lange gedeckelt worden ist? Klammer auf Quote Klammer zu. Manchmal muss man auf Zeit solche Instrumente anwenden, um ein Ziel zu erreichen.” Dies kritisiert Heide Oestreich in der taz zurecht: "Einer Partei fällt nach zehn Regierungsjahren auf, dass man ein Gleichstellungsgesetz brauchen könnte? Derselben Partei, die vor acht Jahren dieses Gesetz bereits vorgelegt hatte und es dann selbst per Kanzlerdekret wieder einkassierte?" Den Vorsprung, den Oestreich der Union im weiblichen Wahlkampf attestiert - "Wenn Münterfering gegen die Strahlkraft, die von der Leyen und Merkel allein durch ihre Anwesenheit erreichen, etwas ausrichten will, wird ein bisschen Quotengemurmel nicht ausreichen" - sehe ich allerdings nicht.

Frau von der Leyen repräsentiert auch nach Haarschnitt nicht den modernen Frauentyp noch die Politikerin, der junge Wählerinnen begeistert und inspiriert. Wer einen kreativen Ansatz zum Thema Gleichstellungspolitik aus dem zuständigen Ministerium sehen möchte, dem sei ein Blick in den Medienkoffer "Frauen und Männer - Gleich geht´s weiter" empfohlen. Dazu Staatssekretär Gerd Hoofe: "Wenn Schülerinnen und Schüler zum Beispiel sehen und hören, wie Breakdance-Kids über Gleichstellung denken oder selbst aufgefordert werden, einen Rapsong zum Thema zu machen, setzen sie sich intensiv mit ihren Zielen und dem eigenen Rollenverständnis auseinander. Das hilft den Mädchen wie auch den Jungen dabei, ihren eigenen Weg zu gehen - in Beruf und Familie." Ich vermute, nein ich weiß, dass dieser Koffer bei den Schülern der 9. bis 12. Klasse, für den er vorgesehen ist, für Spott sorgen wird, aber nicht zum Nachdenken.

Angela Merkel wird nun abermals im Wahlkampf nicht als Frau, sondern als Neutrum in Erscheinung treten. Niemand fordert flammende feministische Reden. Ein Bekenntnis zum Frausein bedarf keinen Staatsakt. Ein frauenfreundlicher Wahlkampf bedarf aber auch keine Babys auf Wahlplakaten. Frauen bedürfen keiner Karrieren nach männlichen Mustern, aber nach ihren eigenen.

Liebe Ursula, liebe Angie, die Frauen von morgen werden weder die Mütter, noch die Männer von gestern und heute sein. Der Wohlfühlfaktor im weiblichen Wahlkampf wird schmerzlich vermisst.



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Ein morgentliches Tribut an eines meiner liebsten Blogs und "the best blog series ever": kitten love by Lynn & Horst. Mehr Kätzchen findet ihr hier.

foto credit: foto decadent und L'Officiel Latvia


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die herbst/winter-kollektion von kzo in zusammenarbeit mit brett westfall von unholy matrimony. mehr und via the fashionisto.



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Die letzten Wochen waren turbulent, und mit dem Launch einer neuen Website fängt die eigentliche Arbeit erst an. Seit heute morgen ist der neue Webauftritt des Freitag online und die Zeitung in ihrem neuen Kleid am Kiosk. Die passende Anzeige für die Themen dieses Blogs haben wir auch parat: Titten auf dem Titel? Selbst in der Finanzkrise werden wir wohl ohne diese Verkaufsstrategie auskommen. Und in der Printausgabe gibt es auch schon reichlich Text von und über starke Frauen: Kolumnen von Katrin von der Mädchenmannschaft, Sue von Happy Schnitzel und ein Portrait über Tilda Swinton warten darauf gelesen zu werten. Beim Freitag könnt ihr euch nun anschauen, warum es auf Flannel Apparel in den letzten Monaten etwas ruhiger, und eher bilderreich als textlastig war. Meine Gedanken zur Fashionweek haben die Abwesenheit längere Texte hoffentlich ein wenig entschuldigt.

Beim Freitag findet ihr seit heute ebenfalls einen langen Artikel aus meiner Feder: Bloggen, twittern, punkten?" widmet sich ganz anderen Sphären als der Mode, nämlich Web & Wahlkampf sowie mein Blogger-Ausflug zum Parteitag der Grünen im vergangenen November.



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Während der Berliner Fashionweek sind keine neuen Trends gesetzt worden, Diskurs zur Ästhetik, Körperbild und Mode als Kunst angeheizt oder bahnbrechendes Talent entdeckt worden. Auch hat sich die Hauptstadt wieder einmal nicht als Modemetropole etabliert. Ob sie das muss, sei dahingestellt. Deutlich geworden ist im Zuge der modischen Tage in Berlin, dass eine Fashionweek, ein Thema, aber nur ein kleines Modethema war, dass Mode und besonders die von den Laufstegen, immer noch kein Gegenstand der Verständnis für die Massenmedien ist, und weit davon entfernt, eines zu werden. In Berlin purzelten die Relevanzen. Die Mode hüpfte erschrocken zur Seite. Das Wesentliche schwand.

Und im Wesentlichen versagten die Worte. Wir wollten ein Kameralächeln, nur nicht vom Kleid. Die edlen Stoffe der letzten Tage schienen reif und anspruchsvoll konzipiert genug, um nicht nur in Fotografie und Bewegtbild gewürdigt zu werden. Doch Texte wollten nicht gelingen, wurden nicht gewollt. Offensichtlich trat zu Tage, dass der Modejournalismus kümmerliches Stiefkind der großen Medien ist, und Artikel und TV-Beiträge der etablierten Blätter und Sender nicht einmal im Kern streiften, welche Aussagen wirklich hinter Kleiderstangen und Begrüßungsküsschen schlummern. Der Boulevard frisst sich den Weg.

Den Sponsoren, auch den Designern ist es stets lieb, wenn sich sowohl auf dem roten Teppich als auch in der Front Row am Laufsteg die prominenten, die weniger wichtigen und die verblendeten Gesichter, die man aus Fernsehen, Film, Pop, Sport oder als Frau und Exaffäre von Menschen dieser Branche kennt, blicken lassen und den Kennerblick aufsetzen. Die Vorhalle zum Saal der modischen Geschehnisse reihte sich nahtlos in die Absurdität ein, dass Menschen ohne direkten Bezug zur Mode dieser Wert verleihen sollen. Die visuelle Dominanz der Geld gebenden Firmen führte zu einer völlig überladenen Atmosphäre, ein stilloser Jahrmarkt: dick geschminkte Frauen in weißen Lackstiefeln, die schon zur ersten Show morgens um 11 ein Sektglas zwischen den falschen Fingernägeln schwenkten. Kamerateams, die im Angesicht der wieder aufgeflammten Becker-Liebe vergaßen, welcher Designer als nächster präsentiert, aufgeregt plappernde Massen, die den Eindruck erweckten, etwas Welt veränderndes stünde bevor. Das alles fügt sich nicht in eine Welt, die zwar verschrien ist für ihre Oberflächlichkeit und den schnellen Wechsel, die im Kern aber auf feinem Handwerk, einem hohen Empfinden für Ästhetik und harter Arbeit beruht. Im Zirkus der nach medialer Aufmerksamkeit lechzenden Menschen fehlte dieses mal nur die entrüstete Damenfraktion der Politik, die sich um die mageren Mädchen in den Designerroben und ihre Agenda setzende Wirkung auf die jungen Frauen der Nation sorgte, und per Kodex oder Gesetz etwas aus der Welt schaffen möchte, dass tatsächlich nur ein magerer Grund für die Epidemie der Essstörungen ist. Dass Ulla Schmidt und Ursula von der Leyen diese Äußerungen im Sommer trafen, aber nicht zu dieser Mode-Woche, liegt wohl daran, dass in der warmen Jahreszeit das Loch in Politik und Medien klafft, dass mit dieser Scheinpolitik gefüllt werden möchte. Ende Januar sahen die Ministerinnen glücklicherweise andere Brennpunkte, die sie beackern wollten.

Der Fashionweek fiel nun aber auf die Füße, dass es zu viele Medienvertreter gab, die in ihr eine Story witterten, und zu viele Medienhäuser, die irgendeinen Journalisten dafür abstellten, dort irgendeine Geschichte aufzutreiben. Da aber die dafür ausgebildeten Journalisten meist in Medien publizieren, die nicht tagesaktuell erscheinen, und Tageszeitungen und Fernsehsender aus ihren Angestellten meist diejenige auswählen, die jung und hübsch ist sowie ein paar teure Schuhe im Schrank hat, wird die Berichterstattung über die Fashionweek ihren Inhalten nicht gerecht und erzeugt wiederum das Bild der Modebranche in der Öffentlichkeit, das als Wahrheit wahrgenommen wird. Es glitzert, es prunkt, die Prominenz tagt. Die Branche ist oberflächlich, Geld ist kein Thema, alle haben sich lieb. Vieles ist neu, alles ist schön, wir haben Spaß. Die Unverzichtbarkeit des Spaßes statuierten die Journalisten gerne: Die Autorin Katharina Höller setzte dies in ihrem Artikel für die Süddeutsche Zeitung sogar als Schlusspunkt:

"Dass sie [Melissa Drier] Recht hat, wenn sie sagt: "Mode muss Spass machen" bewies Bernhard Willhelm in seiner Darbietung sehr anschaulich. Ausnahmslos alle Besucher haben sich amüsiert, haben mit seiner Mode gespielt und sich ganz naiv auf die Fantasie des Designers eingelassen. Man kann die Deutschen also erziehen. Also: Bitte in Zukunft nicht mehr so bemüht und verkrampft. Die Berliner Modewoche muss Spaß machen."

Wie schade, dass sie ein paar Absätze zuvor einige Designer für ihre Entwürfe so zerrissen hatte, dass das Lesevergnügen und Laune dieser mit ihrem Text vermutlich geschmälert wurde. Mode darf folglich nur so lange Spaß machen, wie Kollektionen und Inszenierungen massentauglich Freude wecken. Ich freue mich auf die ersten Artikel, die mit den Sätzen schließen „Die Automobilmesse muss Spaß machen.“, „Die Bundestagswahl muss Spaß machen“ und ja, auch „die Finanzkrise muss Spaß machen“, und um uns an die guten Tage zu erinnern, trinken wir mit Michalsky in der Zionskirche Champagner. Die schönen und von Bernhard Wilhelm körperbetont bekleideten Männer hatten scheinbar Frau Höllers Ausflug zur Fashionweek in letzter Minute gerettet, bezeichnete sie Berlin im Vergleich zu anderen Modestädten gleich im einleitenden Absatz als „Provinzkaff“ und ärgerte sich über das modische Verständnis der Deutschen, zu denen sie sich vermutlich selbst auch zählt: „Und deutsche Konsumenten beweisen kein glückliches Händchen für Stil: Sie sind entweder bieder oder tragen zu dick auf.“

In Berlin wurde dick aufgetragen, dies aber vor allem von den Sponsoren. Vom Bebelplatz aus kreisten sogar in der Eiseskälte Fahrer auf Mofas über Unter den Linden und die Friedrichstraße, große Werbeplakate für den unterstützenden Kosmetikhersteller an ihr Gefährt montiert. Während ein Sponsoring von einer Kosmetikfirma oder auch Sekt nicht allzu abwegig erscheint, mag das starke modische Engagement des Bierherstellers Beck’s zunächst überraschen. Alkoholproduzenten haben es nicht einfach. Corporate Social Responsibility-Konzepte sind für sie schwierig anwendbar, Sportsponsoring ebenso heikel, die Tropen haben bereits einen Geldgeber gefunden. Marketingchef und die ihm sein neues Engagement unterjubelnde Agentur freuen sich folglich um so mehr, mit etwas assoziiert zu werden, was vielleicht kein besser Zweck ist, als sozial Benachteiligte zu unterstützen, dafür aber so hip und so cool wie die junge Szene von Werbetreibenden eingestuft wird, und das Zielpublikum des Produkt geradewegs erreicht. Den Nachwuchswettbewerb Beck’s Fashion Experience gibt es bereits seit 2004. Dank der sachverständigen Jury waren unter den teilnehmenden Designern stets Talente, die sich über ihre Präsentation bei diesem Event hinaus einen Namen gemacht haben. Als Modeevent versagt die eigentliche Modenschau hingegen kläglich. Ein völlig überfüllter Veranstaltungsort, in dem sich zwei Drittel der Besucher lediglich einfinden, weil sie ein kostenloses Besäufnis planen, war in diesem Jahr Schauplatz für sieben außerordentlich begabte Nachwuchsdesigner. In einem stark verrauchten Saal durften diese ihre Entwürfe einem szenigen Berliner Stehpublikum vorführen, das nach Ende des modischen Häppchens um einige hundert partywillige Nachtschwärmer ergänzt wurde. An diesem Abend ging es um Bier und Branding garniert mit ein wenig Augenschmaus für die wenigen Kenner. Medienresonanzanalysen zur Fashionweek laufen in vielen Presseabteilungen vermutlich mit festem Blick auf die Häufigkeit der Erwähnung des eigenen Markennamen; was sonst könnte zählen? Ergänzende Gedanken zum Beck's Event hält das taz-Blog Monarchie & Alltag bereit.

Die Fashionweek war ein voller Erfolg. Noch größer, noch schöner, noch vielversprechender als ihre Vorgängerin. Darf eine offizielle Abschlusspresseinformation etwas anderes sagen?
Der Fashionweek in Berlin droht nicht der Aufstieg im internationalen Vergleich, ihr droht ein Untergang unter den Schleiern der großzügig spendenden Sponsoren, die als Gegenleistung lediglich das Verdrängen eines Ereignisses mit ursprünglich größerem Anspruch hinter Logos und geliftete Gesichter verlangen, die der Firmenchef um sich scharen möchte. Ob Schauspielerinnen, die möglicherweise einmal ein Kleid, das sie nicht kaufen sondern vom Designer bekommen, zu einer Filmpremiere tragen, für ein Modeevent unverzichtbar sind? Ob es Gründe gab, oder der Willkür erlag, dass das schöne Bobbele seine neue alte Liebe im Modezirkus zur Schau tragen musste. Ist diese folglich wieder nur für eine Saison en vouge, bevor ein nur in Nuancen verschiedenes Accessoire seine Seite für den Sommer schmücken wird?
Mode und Designer brauchen Investoren, das ist hier nicht die Frage. Doch wenn man sich um die Emanzipation der Kreativen von der Vereinnahmung ihrer Geldgeber mehr Sorgen machen muss, als um den Fortschritt der Gleichberechtigung von Frauen in der Wirtschaft, kann der Branche keine positive Entwicklung bescheinigt werden. Sie entwickelt sich zum Werbeträger, aber nicht zum Kulturgut. Und das unter dem Zutun der Medien. Diese benutzen ebenfalls die Mode als Werbefläche: Für ihre Schauspieler, ihre Sternchen und Soaps, für die sich anbahnende Romanze oder Scheidung, für den schillernden Widerspruch zur in den Nachrichten folgenden Katastrophenmeldung, für Advertorials, kleine Gefallen und Quoten. Neues, Hintergründe, Portraits von Künstlern findet man nicht. So übertrieben geschminkt und desaströs angezogen wie so manche Journalistin ihr Privatvergnügen im Zelt am Bebelplatz und in geheimen Off Locations zelebrierte, so blass, so nichtig sind die Worte, die sie für spätere Beobachter hinterließ. Worte, die auch in Paris oder New York einen Leser hätten finden können.

Designstudenten werden über die Mode dieser Tage nur anhand von Bildern lernen können. Aber so wird ein wunderschönes Kleid auch in Jahren noch als exzellenter Entwurf gelten, und Boris Becker als erfolgreicher Tennisprofi. Das Blitzlichtgewitter in der ersten Reihe am Laufsteg wird niemand erinnern und die eigentlich Bedeutung von Design, Sport und Schauspiel zurechtgerückt. Traurig ist dennoch, dass die großen und kleinen Momente der letzten Tage journalistisch verschenkt wurden, und die stummen Zeugen der Laufstege miteinander in Kleidersäcken und Schränken darüber sinnieren werden, aus welchem Grund, für was und für wen sie die Nähmaschine ihres Schöpfers geküsst haben.



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die blauen spatzen pfeifen von dach: flauschig, niedlich, grob-gestrickt.
i want one. mich findet man bei twitter hier.

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