mein herz hab ich mir gefasst und knicken sanft beatmet, sonst wäre es zerbrochen. und seit wenigen tagen schnappt knicken wieder nach frischluft und singt die ersten sommerlieder. herr schmitz und ich führen bis in die erste august woche hinein eine kleine spezialserie zum berlin festival. dort werde ich jarvis cocker ehelichen und alles wird so sein, wie back in the days. aus versehen floss mir zudem noch ein text über den "frieden der fashion familie" aus der feder. er erscheint außerdem in einem gedruckten bildband von marc schuhmann in rückschau auf die fashionweek.

da ich nach über vier jahren fruchtbarer lebensgemeinschaft das herrenhaus am spreewaldplatz verlassen werde, weil ich ein feldforschungsprojekt im hafen der wilden ehe angenommen habe, ist es umso wichtiger das gemeinsame kind die letzten wochen nach bestem können zu bemuttern. das sorgerecht wird selbstverständlich geteilt, und es gibt ausgereifte pläne, den geknickten zögling alsbald einzuschulen. er wird dann ein wenig wachsen und noch hübscher werden. ich empfehle also wärmsten neben diesem baby auch das musikalische nebenan regelmäßig zu besuchen. schwangerschaftsgerüchte fernab von knicken und dem flanell-baby bestätige ich im frühherbst. einen namen gibt es bereits. aber bevor meine ausführungen noch mehr verwirren, verabschiede ich mich ins bett und überlasse das parkett herrn cocker. es war nie ein geheimis, dass the only one who could ever teach me, ein nerd sein musste.


jarvis cocker - you're in my eyes (discosong) (pilooski remix) (dl)










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Morgen gastiere ich im Rahmen der Veranstaltungswoche "Gender is happening" der Heinrich-Böll-Stiftung auf einem Podium zum Thema "Feminismus - Chancen on- und offline". Mit dabei sind außerdem Julia Seeliger, Katrin Rönicke und Verena Reygers. Von 16.30 Uhr - 18.30 Uhr sprechen und diskutieren wir über Geschechterrollen im Netz, die "neue" Spielart des Feminismus, die Rolle des Webs für junge Frauen in Gesellschaft und Politik und sicherlich auch über Männer. Als vorbereitende Lektüre empfehle ich meine Texte Helden in Hosenträgern" und "Unter Freundinnen". Neue Thesen führe ich die Tage in der Nachbereitung aus. Über Fragen, Protest und Ideen vor Ort freuen wir uns natürlich um so mehr.


Politischer Salon "Feminismus - Chancen on- und offline"
9. Juli 2009
16.30 Uhr - 18.30 Uhr
Heinrich-Böll-Stiftung
Schumannstr. 8
10117 Berlin


Die Veranstaltungswoche "Gender is happening" geht übrigens noch bis Samstag. Das vollständige Programm findet sich nach dem Klick.




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wo anderen ortes schandflecke tapeziert werden, die mein haupthaar beleidigen, gib es an dieser stelle beruhigende schönheit fürs auge, präsentiert am letzten freitag am berliner bebelplatz: michael sontag.


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Über eine Schaffenspause und Umwege gelangte Modedesigner Miguel Adrover von den Laufstegen New Yorks ins hessische Butzbach, wo er nun Kreativdirektor des Naturmodeherstellers Hess Natur ist. Unter modischen Aspekten besaß Hess Natur bislang für Fashion Victims so viel Anreiz wie eine lila Latzhose für den männlichen Schürzenjäger. Doch vorrangig geht es Miguel Adrover auch keineswegs darum, das Ökolabel auf den Catwalk zu bringen. Ich habe ihn in der letzten Woche in Berlin getroffen und mit ihm über seine Arbeit gesprochen. Das Interview findet sich nach dem Klick bereits jetzt beim Freitag online und am Donnerstag auch auf Papier.

Einen Wunsch, der zwischen Umweltschutz, Fair Trade und grobem Strick dann doch etwas aus der Reihe tanzte, hat mir Miguel Adrover noch verraten: "Big big billboards. That would be great." Erschwinglich wird diese Art der Reklame für Hess Natur dann aber doch nur in Butzbach sein.




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Zarte Klavierklänge untermalen die hektische Verteilung der Front Row-Plätze, auf denen sich zur letzten Show der Fashionweek in Berlin wie zu jeder der vorangegangenen Schauen die Schönheiten anfinden, die nach ihrer Entlassung aus Heidi Klums Bootcamp nur noch im Sitzen angetroffen werden. Nahtlos geht es für sie vom Jubel des Fernsehpublikums in die Reihen der C-Prominenz. Wenn für Sara Nuru alles nach Plan läuft, besucht sie in sieben Jahren mit Boris Becker den Bebelplatz.

Mit dem Dimmen des Lichtes verwandelt sich das Zelt in einem Vortempel des Berghains. Und tatsächlich schafft es die musikalische Dramaturgie von Designer Kai Kühne die Zuschauer auf die Art zu entfesseln, wie es nur die Bässe und das Treiben des Berliner Technoclubs schaffen. So viel Bewegung abseits des Laufsteges haben die Schauen zuvor nicht gesehen. Dennoch hat keine der anderen Inszenierungen es vollbracht, sein Publikum derart in den Bann zu ziehen und eine hoch konzentrierte Atmosphäre zu schaffen, die für den Appell auf dem Laufsteg die Zeit anhält. Der harte elektronische Klang setzt sich auf dem Catwalk nahtlos fort. Kai Kühnes Antwort auf die Krise ist unterkühlt, entschlossen, glatt und gespenstisch. Seine Interpretation der Frau im Sommer 2010 entstammt den Büroetagen des New York der 80er Jahre: 80s Killer Business Women. Kein Haar tanzt abseits des Skalps, der Weg ist gradlinig, nahezu gehetzt und abgeschirmt vom Links und Rechts. Die milchig hellblauen Kontaktlinsen machen die futuristische Großstadtkriegerin endgültig unnahbar.



Man kommt nicht darum herum an dieser Stelle auf Michelle Obama zu verweisen, die eine der derzeitigen Wegbereiterinnen dafür ist, Macht und Sex wieder gemeinsam zu spielen. Der Look, der die letzten Jahre als Common Sense in der Welt von Politik und Wirtschaft gegolten hat, hat die Frau keinesfalls unter einem Schutzmechanismus oder unter Gesichtspunkten der Gleichstellung entsexualisiert. Das Verdrängen der optischen Weiblichkeit aus der Geschäftswelt hat einer Gleichberechtigung eher entgegengewirkt. Denn während Testosteron & Autorität noch immer aus kantigen Gesichtszügen, Körpergröße und sonorer Stimme sprühen, wird der Frau das Einsetzen ihrer gottgegebenen Macht verweigert.



I’m bringing sexy back
Them other fuckers don’t know how to act
Come let me make up for the things you lack



So lange Schönheit, Brüste und Ärsche zensiert werden müssen um die Jungs in den Vorständen nicht vom Spielen abzulenken und die Wahrnehmung einer Frau als attraktiv mit einer Herabstufung ihres Intellekts einhergeht, wird die Gleichberechtigung im Berufsleben und die Sichtbarkeit des Einflusses der Frauen in Gesellschaft und Politik weterhin so langsam vorankriechen, wie in den letzten Jahren. Man mag Angela Merkel ihre Entscheidung als Neutrum zu fungieren zugestehen, und Alice Schwarzer ihre Sicht, die Sexualität einer Frau als wunden Punkt und nicht als Waffe anzusehen, dennoch möchte ich die Frauen, die ihr Äußeres als ebenbürtiges Attribut zu ihrer Eloquenz und Klugheit einzusetzen wissen, nicht mehr nur als Schmuckstück an der Seite von ergrauten, sich in der Jugend der Gespielinnen sonnenden Männern sehen, sondern dort, wo sie hingehören: In jeder Front Row, in der sie sich zuhause fühlen.


Kai Kühne übrigens, trug wie seine Models die hellblauen Kontaktlinsen, als er sich nach der Show kurz vor dem Berliner Publikum bedankte.









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