"Making something that is public more public is a violation of privacy. (...) Privacy is not about hiding, but creating space to open up.“


Mit meiner Schreibmaschine auf Bögen, mit einem Stift auf ein Blatt und mit geschwinden Fingern ins Blog schreibe ich manchmal über die Liebe. Über das Laster Liebe und über den Mann. Liebe, das ist vor allem wenn wir uns anschreien. Ein Tweet ist vielleicht ein Fetzen Zuneigung, und in der Summe irgendwann eine kleine Liebeserklärung. Ich habe kürzlich darüber einen längeren Text geschrieben, dazu viel diskutiert, gestritten, gelesen und daraus schließlich einen Vortrag für die re:publica gestrickt und tatsächlich gehalten. Ich schreibe ja vor allem so viel, weil ich mit dem gesprochenen Wort eher sparsam bin.

Das Thema der großen Gefühle dann ausgerechnet in einer Masse von (durchaus liebenswerten) Nerds zu platzieren, folgte vor allem dem Wissen, dass das iPad nachts nur ein wenig wärmt und: dass es ein schlechter Küsser ist. Zudem eignet sich die Liebe vielleicht besonders um zu zeigen, dass es weitaus wichtiger ist, über welche Inhalte wir wie und weshalb kommunizieren, als über welche technische Lösung.

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Lisa Rank war so nett den Vortrag noch einmal Revue passieren zu lassen und mit ihren Gedanken zu ergänzen.
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Über Liebe, Beziehungen, den Kummer über diese und den Weg zum Traualtar - so glaube ich - schreiben viele Menschen nicht ins Netz, da sie dort ein Abbild der erlebten Beziehungsrealität schaffen wollen, sondern um Liebesgeschichten zu erzählen. Das digitale Konstrukt des sozialen Umfelds ist keine Kamera ins Schlafzimmer. An der Stelle, an der Leser und Beobachter Realität wahrnehmen, kann was man senden möchte hingegen nur bedingt kontrolliert, konstruiert und mit klarer Botschaft erzählt werden. Eine Beziehung bewegt sich im Terrain "Monogamie für Fortgeschrittene" wenn die Friends und Follower zum Flirten aufgelegt sind. Dann passiert es mitunter Folgendes:
"The more time college students spend on Facebook, the more likely they are to feel jealous toward their romantic partners, leading to more time on Facebook searching for additional information that will further fuel their jealousy, in an escalating cycle that may become addictive."
"This research on university age individuals is an excellent starting point to begin asking additional questions on how this new forum might be impacting the dynamics of adult relationships and other social processes," sagte Professor Dr. Brenda K. Wiederhold, Editor-in-Chief of CyberPsychology & Behavior.

„Also: Datenschutz und ”Kontrollgesellschaft” ist ja nicht nur „von oben” ein Problem, sondern die Menschen schaffen sich oft selber eines“, schrieb Katja Kullmann in den Kommentaren zum Ausgangstext

Hier also mein Appell für mehr Rationalität, wenn wir Dinge im Netz lesen und sie gleich für bare Münze nehmen möchten, oder weitergehend interpretieren. Versuchen nicht zu lesen, was der Partner ins Netz schreibt, nicht zu glauben, dass ein "Friendrequest" eine Vorstufe zum Bund der Ehe ist, oder sich Thea Dorn anschließen und mehr Ernsthaftigkeit wagen.

Ich zumindest, schreibe hier vorrangig Geschichten. Und Geschichten ins Netz zu schreiben bedeutet keine emotionale Verflachung, kein Entwerten von Beziehungen, kein Abkühlen von Gefühlen, sondern im besten Fall eine Menge Reflektion und Konstruktion. Für Liebesgeschichten mit autobiographischem Anteil bedeutet das Erzählen eine bewusste Verzerrung, eine Kompensation von Problemen, vielleicht eine Überspitzung des Glücks.

Bevor ich allerdings die Zeit finde weiter zu schreiben möchte ich zunächst auf einen Text hinweisen, den der Mann verfasst hat und tatsächlich den Streit den wir über 'das Netz' führen, auch einmal ins Netz hinein verlagert hat: Taktische Medien, Mädchen und Märchen.

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4/12/2010



Die karierten Herren haben sich in der Dazed & Confused Japan versteckt und ich mich unter ihren Tüllkleidern, am Berliner Eichenholztisch und über das Wochenende an der Küste von Rügen. Danach gibt es hier dann auch wieder mehr Text zum Bild und wilde Spekulationen oder eben eine trockene Analyse über die Sichtung "Mann im Tutu". Frauenquote, NRW-Wahl und Fußball-Weltmeisterschaft, ich höre euch trapsen.

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4/06/2010











soundtrack >>

Leonard Cohen – “First We Take Manhattan” (Sta linn remix)



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