Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre

"Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre galten in der Nachkriegszeit, mehr aber noch in den 1960er Jahren und in der Studentenbewegung als das ideale Paar. Sie blieben gleichberechtigt, unverheiratet und unzertrennlich von ihrer ersten Begegnung im Jahre 1928 bis zu Sartres Tod 1980. Ein Leben lang widmeten sie sich gemeinsam literarischen, philosophischen und politischen Aufgaben und trugen ihre Zusammengehörigkeit bis zum letzten Augenblick öffentlich zur Schau. [...]

Ihre politischen Ziele mochten wechseln, einer Obsession aber oblagen sie gemeinsam: zu zeigen, wie sehr sie ein Paar waren. Dabei wiesen sie alle institutionellen Sicherungen, die ihnen hätten zu Hilfe kommen können, verächtlich von sich. Nicht allein, dass sie nie heirateten: jeglichen Anklang an die bürgerliche Ehe vermieden sie. Der Stil ihres Zusammenlebens gehorchte einem gemeinsamen Entwurf, der ihrer beiden Charaktere entsprach, nicht gesellschaftlicher Erwartung. Nie hatten sie eine gemeinsame Wohnung, schon zu treffen bedurfte es also eines Entschlusses, lebenslang behielten sie das "Sie" als Anrede bei, und schon kurz nach der ersten Begegnung an der Hochschule verpflichteten sie, die ein "amour nécessaire" verband, sich auf eine "amour contigent", auf das Zugeständnis zu erotischen Beziehungen auch mit anderen Partnern; das heißt, sie verständigten sich von Anfang an auf eine verlässliche Liebe, die mit freier Liebe gepaart sein sollte, auf Treue, die den Seitensprung erlaubte, auf eine Liebe also, die auch die Liebe des Partners zu anderen liebte [...]

Die Ehelichkeit des Verhältnisses bestand in der Negation der Ehe. Sartres und Beauvoirs Zusammengehörigkeit äußerte sich in der Selbstdarstellung als Paar und in nichts sonst. In den vielen Stammcafés, wo jeder von ihnen einen eigenen Freundeskreis um sich scharte, statteten sie einander Stippvisiten ab und zelebrierten mit diesem Ritual ihre Freiheit voneinander und die Nähe zueinander, die solch kleine, aber auch große Trennungen überstand."


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1 Comments:
Anonymous Julia Schröder said...
Ja, das war harte Arbeit. Und das ist es bis heute.

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