Wer sind sie? Was wollen sie? Und warum sind sie so erfolgreich? Diese Fragen haben sich alle gestellt, als die Piratenpartei bei den Berliner Wahlen im September 2011 mit überraschenden 8,9 Prozent der Stimmen erstmals in ein deutsches Parlament einzog. Was haben die Piraten den etablierten Parteien voraus? Sind sie die neuen Grünen? Oder doch nur eine politische Modeerscheinung? Was erzählt ihr Erfolg über unsere Zeit, unsere Gesellschaft, über Kommunikation? Und werden wir die nächsten Jahre, wenn wir über Politik reden, immerzu romantische Metaphern aus der Welt der Seeräuber und Freibeuter bemühen? Erste Antworten gibt es in diesem Band.
Labels: feminismus, literature, politics, socialmedia

Der Geist der Zeit scheint seltsam unbewegt. Verschreckt ist er, durch den galoppierenden technologischen Wandel, der nach einem Gegengewicht verlangt, um die Welt zu entschleunigen. Nicht bändigen, gar anhalten und die Uhr um Minuten, Tage und Jahre zurückdrehen wollen manche diese Zeit, deren Puls doch gerade erst beginnt zu schlagen. Wir leben im Backlash.
B wie Betreuungsgeld, B wie nur mit Vitaminen, C wie Zukunft. Und noch ein B: Bestseller. In einem eben solchen – "Generation Ally"– erzählte die Autorin Katja Kullmann 2002 von Emanzipation und Gleichberechtigung von Frauen zur Jahrtausendwende. Ihre Bestandsaufnahme lässt die Leserin zurück mit dem Gefühl, dass Frauen nur noch eine flache Treppenstufe auf einem bequemen Absatz lässig heraufspringen müssten, um dem Feminismus die Wange tätscheln zu können: “Geschafft!” Kullmann zeichnete vor zehn Jahren eine Gesellschaft von morgen, die jedoch heute hektisch ein paar kühne Schritte zurückgetrippelt ist. Freiheit ist uns zu aufregend. Im Jahr bevor Kullmanns Buch erschien, schloss der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder eine freiwillige Vereinbarung zwischen Bundesregierung und der Wirtschaft, um den Frauenanteil in Spitzenpositionen zu steigern. Wir kennen das magere Ergebnis zehn Jahre später. Ebenso kennen wir das, was die zuständige Frauenministerin im Jahr 2011 will: eine freiwillige Vereinbarung, die "Flexiquote".
"Feminist blogs and online advocacy organizations can develop the next generation of feminist leaders, rapidly mobilize readers to hold corporations accountable, put pressure on lawmakers and spur local coalition-building—at an unprecedented scale."
(aus: You Are the NOW of Now!' The Future of (Online) Feminism)
Für diese ehrenamtliche Arbeit ist es jetzt wichtig, dass Netzfeministinnen Bündnisse schließen, neue Themen besetzen und dass die Arbeit finanziert werden kann. Denn Engagement, das allein von Freiwilligen geleistet wird, bricht mit einer der Prämissen des Feminismus, wenn es nur von privilegierten Menschen erbracht werden kann, die es sich leisten können, in ihrer freien Zeit politisch aktiv zu sein.
Labels: feminismus, gesellschaft, girlism, netzpolitik

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