1/15/2012

Zu Katinkas Erwiderung auf Nina Pauers "Die Schmerzensmänner" habe ich kommentiert:

Mich hat in den Reaktionen, die ich zu Pauers Text beobachtet habe, besonders irritiert, wie viele Männer ihr zustimmten und einstimmten in einem Kanon à la: “Nur Arschlöcher bekommen Frauen ab, die netten Jungs nicht.” (Schuld daran sind natürlich die bösen Frauen)

Das Gelabere von der “Krise der Männlichkeit” (Wir erinnern uns: The Atlantic: “The End of Men”, oder Claudius Seidl, der in der FAS gar vom “November der Männer" sprach) verschleiert eine Kernaussage unter einer versuchten Mitleidserregung für “weichere” Männer: durch den Wandel der Geschlechterrollen und das Erstarken von Frauen in der Gesellschaft seien Männer in Zweifel an ihrer Rolle geraten. Um diese wieder zu stabilisieren, braucht es eine Rückkehr in traditionelle Rollenmuster << das ist die Hidden Agenda.

Wo aber bleibt der Diskurs unter Männern über die vielfältigen Rollen, die sie einnehmen könnten (und auch schon immer tun).

Eine Rückkehr in alte Rollenmuster wünscht sich scheinbar auch Nina Pauer. Schade. Wir sind immer alle so emanzipiert (in der Theorie) und sobald es hart auf hart kommt, nämlich in Beziehungen, wenn Menschen Familien gründen, bröckelt es. Ja, da können Frauen sich fragen, warum es ihnen plötzlich doch etwas ausmacht, den ersten Schritt zu machen, das Haupteinkommen zu verdienen, die Kinder loszulassen. Das kann aber nicht losgelöst davon gesehen werden, dass Frauen nach wie vor in diese Position gedrängt werden. Dass Frauen auf den kühnen Prinz warten, ist harte Sozialisation.

Dass "Männlichkeit" in vielen Facetten gelebt werden kann und akzeptiert wird, dafür ist jedoch nicht der Feminismus zuständig. Wie das geschehen kann, sollten Männer (laut) überlegen. Ich bin gespannt. Denn das Verlangen nach starken Männern zeigt zweierlei: es braucht den Feminismus noch, und zwar sehr. Aber auch eine Entsprechung für die Herren.


Das Zitat habe ich gerade herausgesucht, da der Print-SPIEGEL heute ebenfalls einen Text zur Verweichlichung der Männer und den "seltsamen" jungen Frauen bringt.

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7 Comments:
Anonymous Fison said...
Stichwort Diskurs unter Männern!

OpenID edomblog said...
Mir scheint es geht tatsächlich eher um eine verloren gegangene Leichtigkeit des Liebens.

Blogger Wortschmiede said...
Ist SIE zu stark, bist Du, Bürschchen, zu schwach.
Und jetzt geht der DISKURS los:
Und weil wir so schön gleichberechtigt sind, liebe Frau Pauer, gilt das auch umgekehrt: Ist ER zu schwach, bist DU zu stark. Das haste nun von Deiner schönen Emanzipation: Nur noch Luschen! Ätsch.
An die Männer: "Eier. Wir brauchen Eier! Sie wissen doch, was das heisst?!" Oliver Kahn nach dem 0:2 auf Schalke.

Mann, frag Dich: WAS IST EIN GUTER MANN? Mach Dich auf den Weg!
Der Männerdiskurs ist ein guter 2. schritt. Aber um reden, sprechen und nicht nur zu labern, muss MANN seine Postion erarbeiten, dazu wiederum Alternativen, Wege kennen.
Gibt´s hier:
http://www.epubli.de/shop/buch/M%C3%A4nnliche-Kraft-Thomas-F%C3%BCgner/7203

Anonymous mark793 said...
Tja, wo bleibt er denn, der Diskurs? Und vermisse ich den wirklich? Müsste ich ehrlicherweise verneinen. Aus meiner eigenen beschränkten Erfahrung heraus würde ich eher sagen, wenn sich nicht dank einer entsprechend disponierten Partnerin konkrete Handlungsoptionen auftun, kann mann lange labern über neue Männerrollen, bleibt dabei aber zu sehr dem Theoretiker-Baumarkt verhaftet.

Nun lebe ich seit über sieben Jahren als Homeofficer, Hausmann und praktizierender Papi mit einer beuflich sehr engagierten und erfolgreichen Frau zusammen und habe diese Konstellation noch keinen Tag bereut. Vielleicht finde ich ja mal die Zeit, einen Ratgeber zu schreiben. ;-)

Anonymous lawen4cer said...
Wenn Männer (verstärkt durch Artikel wie der von Frau Pauer) das Gefühl haben durch bestimmtes Verhalten (weich, sensibel, reflektiert, rücksichtsvoll, zurückhaltend etc.) auf dem "Beziehungsmarkt" nicht attraktiv für Partnerinnen zu sein, werden sie über kurz oder lang dieses Verhalten wieder ablegen.

Wenn das "dem Feminismus" egal ist, dann haben Sie recht, dann ist er tatsächlich "nicht zuständig".

Es ist aber etwas zynisch von feministischer Seite einerseits Verhaltensforderungen an Männer zu stellen und sich dann gleichzeitig darauf zurückzuziehen, dass die durch eine solche Veränderung ausgelösten sozialen Folgen allein ein Problem dieser Männer sei.

Blogger Eipa said...
Was vor allem auch störend ist, ist die Vorstellung früher sei das alles besser gewesen. Zum Beispiel im, in solchen "Kreisen", hochgelobten Mad Men sieht man vor allem einen "starken Mann" am Werk (die anderen sind nicht selbstsichere Alphamännchen) und wer sich ernsthaft einen rücksichtslosen Chauvinisten wünscht findet auch heute noch solche Exemplare. Wenn Männlichkeit einzig auf unterberechtigten Frauen basiert ist das schlicht und einfach jämmerlich.

Anonymous menschelnd said...
hach, dass nenn ich mal eine Aufforderung - der ich nicht auf den Leim gehe ;-)
okay, ernsthafter!

vorab:
Ja, dieses permanente Gejammer von Menschen über die armen Männer - sorry *kotz

aber:
hier hinter stecken (mind.) zwei Zweck-bezogene Handlungsmotivationen;
1. diejenigen, welche den Mann tatsächlich bedauern
*s.o.
Nachfragen: wiso, wofür, wogegen???

2. diejenigen, welche bewusst diese Welle nutzen, um die bestehende Machtposition von männlich-sozialisierten Verhaltendweisen zu erhalten.
*s.o.
keine Nachfrage - weil so klar, wie blöd!

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Letztlich verharren die Kommentare - aber (leider) eben auch der Beitrag - genau in diesen geschlechtsbezogenen Trennung - und somit bestehend-propagierten geschlechtsspezifischen Unterscheidungen.

Hört bitte auf nach Mann und Frau zu unterscheiden, denn zum einen gibt es nur einen marginalen = paarungs-bezogenen Aspekt, also nur um Nachkommen zu zeugen.
Mehr nicht!
andere tatsächliche Unterschiede gibt es nicht - wenn, dann sind bzw. werden diese durch Menschen gemacht.

UND
zum zweiten ist diese Unterteilung von Menschen - diskriminierend, da alle Menschen, welche sich facettenreich daneben (oder eben dazwischen) definieren, hierdurch ausgrenzt werden.

Wir sind alle Menschen, mit ihrer jeweiligen individuellen Sozialisation.
Hier gibt es keine männliche und keine weibliche.
Die Einordnung erfolgt immer durch jeden einzelnen selbst.

ICH "bin"
(nach bestehenden norminierten Ordnungskriterien);
biologisch männlich,
sexuell - vorrangig hetero-orinetiert,
frei-gewählte Kommunikationsparts - eher weiblich sozialisierte Menschen

:-) macht was draus - oder lasst es (-:

in jedem Fall,
fühlt euch menschelnd gegrüßt

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