Ein kurzer Einwurf meinerseits in die nicht enden wollende Debatte zum Stand des Urheberrechtes in der digitalen Gesellschaft. Bei der FAZ >>


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Die Autorin und der Autor, die sich mit einem Glas samtigen Syrah zur Schrifterstellung niederlassen, berühren mit Gedanken in den Fingerspitzen die Tasten ihres Schreibgerätes, streichen Gefühle über das Touchpad zwischen die Zeilen, blasen Rauch auf den Monitor und lecken den Schweiß vom Bildschirmrand, wenn der letzte Satz des Abends sich schwarz von weißen Pixeln abhebt. In diesen Momenten, wenn die Worte von der Stirn in ein digitales Dokument fließen und vor den Augen in Zeichen aufflackern, denkt der Schreibende nur dann an das Urheberrecht, wenn er kurz zuvor wieder einmal eine Aufforderung für die Unterzeichnung eines offenen Briefes im E-Mail-Postfach hatte, oder eine Kollegin erzürnt in einer Wochenzeitung über die Rechte an ihren Ausführungen schrieb und klang, als hätte man dem literarischen Kind in ihr all seinen geistigen Beisitz grob aus der Hand geschlagen wie eine erdbeersüße Zuckerstange, die es nie wieder zwischen die Zähne bekommen soll. Der eine Autor gibt dieser E-Mail nach, sie flackert so schrill im Postfach. Der andere löscht sie.

Es ist mitnichten die lukrative Verheißung des Urheberrechtes, die Textschaffende an ihre Schreibmaschinenen fesselt. Zum Künstler wird ein Kreativer nicht durch ein juristisches Regelwerk, sondern durch die Kunst selbst. Es steht außer Frage, dass Urheberschaft und der kommerzielle Umgang mit Werken rechtlich abgesichert sein müssen. Doch es überrascht, wie sehr in der aktuellen Debatte so viele Diskursteilnehmende die Bezeichnung im Klammergriff haben, als könne mit ihr ihnen zugleich ihr Talent, ihre Ideen und ihr Selbstverständnis entgleiten. Als stünde eine Modernisierung des Urheberrechtes am Abgrund der freien Kunst und warte darauf sie zu zerfleischen und bloß einen abgenagten Knochen zurückzulassen. Dabei beißt die Diskussion um das Urheberrecht die Künstler nicht, sie gibt ihnen genau das, was sie am Leben erhält: eine Herausforderung. Unsicherheit. Fragezeichen.

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