6/25/2012

Ich schenke dir eine Privatkopie meiner Liebe. Wenn sie dir ans Herz wächst, gibst du sie hoffentlich weiter. Oder du schreibst darüber. Der Kuss, denn ich eben in deine Brust gebissen habe, fühlte sich ein bißchen an wie der Klick auf den illegalen Download. Ich will dich sofort und ohne Erlaubnis. Ich will dich ein bißchen heimlich, und schnell und entschlüsselt. 
Du bist sauber in dem Verzeichnis meiner Liebhaber abgelegt. Eine Datei ohne Ablaufdatum. Das Internet und ich vergessen nichts. Im Halbschlaf spüre ich deinen Atem in meinem Haar und weiß wie du schmeckst. 
Es ist so, dass dort, wo ich mich sortiere, zu viel Liebe ist. Der Rosengarten romantischer Liebe war sauber abgesteckt: in Form einer Diskette. Die Dornen hatten versprochen nicht darüber hinaus zu wachsen. Das Netz hingegen, mit dem ich aufwuchs, ist ein Dickicht, das an weite Felder grenzt. Wir haben die Pfade einander verraten und an den Kreuzungen gesehen, dass Gefühle ein Virus sind. Je mehr wir miteinander geteilt haben, desto mehr Küsse und Bisse fielen vor unsere Füße und haben sich in dem wohligen Chaos zwei/drei/vier neue Besitzer gesucht. Ich kann diese moderne Sharing-Kultur ernst zu nehmen und nicht Halt bei dem Ordner machen, in den ich Lieder lege. Die Liebe liegt in meiner Brusttasche. Sie ist immer zur Stelle, wenn ich sie auf euch hetzen will.

Labels: ,