Der »Prager Frühling«, der nun ausschließlich digital erscheint, trat an mich heran mit der Gretchen-Frage zum Thema Papier. Die Frage wird außerdem von Bodo Ramelow (DIE LINKE), Daniel Leisegang (Redakteur der Blätter für Deutsche und internationale Politik) und Tom Strohschneider (Chefredakteur Neues Deutschland) beantwortet. In der begrenzten Zeichenzahl – Wieso nur, online ist doch endlos Platz? – schrieb ich folgende Miniatur nieder:


Ohne zwei Dinge kann ich nicht leben: Twitter und ein Bücherregal, das bis an die Decke reicht. Als Vertreterin der Gattung introvertierter Nerds, die gleichermaßen zwischen Büchertürmen und Computerspielen aufwuchsen, bin ich seltsam zufrieden zerrissen zwischen den Medien. Ich liebe das Digitale und das Gedruckte mit allen Zellen, die Geschriebenes erfassen können. Ich drucke Texte aus und tippe Zitate in ein Tumblr ab. Das kürzlich aufgetauchte Schlagwort „Print Pride” über das auf Twitter Journalisten die Zeitung verteidigen, halte ich für verschrobenes Machotum alter Männer, denen es nicht um edle Ausdrucke geht, sondern um Ego. Sprache schafft Realität, egal wo. Schadet, verzaubert, verklingt. Dennoch sind der Zettel auf dem Kopfkissen, die verstaubte Konzertkarte, das Konfetti im Haar und all die anderen Momente, in denen ein Fetzen Gemeinschaft dir unerwartet in die Hände fällt, die besten Gründe, dem Papier ein langes Leben zu wünschen. Nichts überrascht uns heute so sehr.


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