Foto: Christian Werner

Mary Scherpe hat den Alptraum aufgeschrieben, den allein in Deutschland in jedem Jahr schätzungsweise 600.000 Frauen und Männer durchleben: Sie werden gestalkt. Manchmal über Jahre. In einigen Fällen nervt nur eine Flut von SMS, in anderen erzeugt die Nachstellung Angst und seelische Belastungen, die die Opfer nachhaltig beeinträchtigen.

In etwa 80 Prozent der Fälle sind die Betroffenen Frauen, die Täter sind in der großen Mehrheit Expartner. Auch Mary Scherpe verdächtigt einen Expartner, beweisen kann sie es bis heute nicht. Über 20.000 Fälle von Stalking wurden 2013 in Deutschland zur Anzeige gebracht, doch die Erfolgsaussichten, dass der Täter oder die Täterin verurteilt wird, sind sehr gering. Das haben sogar Union und SPD in ihrem Koaltionsvertrag anerkannt. Dort heißt es: „Beim Stalking stehen vielen Strafanzeigen auffällig wenige Verurteilungen gegenüber. Im Interesse der Opfer werden wir daher die tatbestandlichen Hürden für eine Verurteilung senken.“

Der Stalker von Mary Scherpe wählte zahlreiche Wege, Teil ihres Lebens zu sein: Er kommentierte ihr Blog, parodierte und beleidigte sie über Social-Media-Accounts, schrieb E-Mails in ihrem Namen, um ihr beruflich zu schaden und bestellte Dinge für sie im Netz. Bei ihr Zuhause kamen alle möglichen Dinge an: Broschüren über Brustvergrößerungen, Babynahrung, Dachziegel.

Das Stalking hat sie zunächst online dokumentiert, nun ist ein Buch daraus entstanden.
Ich habe mir ihr für EDITION F ein Interview darüber geführt und gefragt, warum sie zögerte, sich zu wehren, an welchen Stellen sie scheiterte und was getan werden kann, um die Betroffenen besser zu schützen. Hier entlang ...

Heute startete zudem eine Petition zur Änderung des Stalking-Paragraphen bei change.org.

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