Ein typisches Beispiel von Rudeljournalismus: Die Meldung, dass Apple und Facebook ihren Mitarbeiter_innen anbieten, die Kosten für das Einfrieren von Eizellen zu übernehmen, wird als kapitalistisches Eigeninteresse interpretiert und skandalisiert. Kaum ein Medium berichtet, was die Silicon-Valley-Unternehmen für familienfreundliche Dinge tun, zum Beispiel Kinderbetreuung bezahlen, Elternzeit auf Firmenkosten, Unterstützung bei Adoptionsgebühren. Um als Arbeitgeber attraktiv zu sein, übernehmen amerikanische Konzerne zahlreiche Leistungen, die das amerikanische Gesundheitssystem nicht deckt. Elternzeit auf Staatskosten gibt es in den USA nicht, der Mutterschutz ist ein Witz. Da ist einer der Gründe dafür, warum sich die Debatte nicht auf Deutschland übertragen lässt. Was daran gut sein kann, über Social Freezing zu diskutieren, hab ich differenziert für EDITION F aufgeschrieben.

Über das Thema hab ich dann noch mit Kulturzeit gesprochen und gestern in der Phoenix-Runde. Als Talkshow-Format kann ich die Sendung nur empfehlen: Unaufgeregt, konstruktiv und der Moderator Alexander Kähler sorgte für eine gute Diskussionskultur ohne Unterbrechungen. Was er außerdem erzählte: Die Redaktion fragt oft junge Frauen an als Gäste, die in der Mehrzahl absagen, weil sie sich solch eine Sendung nicht zutrauen. Das finde ich schade, denn die Angst ist unbegründet – und man lernt nur dazu, wenn man sich solchen Herausforderungen stellt. Ich hoffe also, ich sehe in Zukunft dort mehr von euch.

Ich hätte übrigens auch nicht gedacht, dass ich meine erste Fernsehtalkshow ausgerechnet zu eingefrorenen Eizellen machen würde. Und das, während ich selbst in der 33. Schwangerschaftswoche bin, keine Hose mehr passt, kein Blazer mehr zugeht und das Baby in meinem Bauch für kleine Erdbeben sorgt ;)

Labels: , ,

0 Comments:
Links to this post:
Link erstellen